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Mittwoch, 29. Januar 2025

Waldspazierengeher

Tief im Wald verirrt: ein Kind.
Längst vom Pfade abgekommen.
Blind von Tränen, Sicht verschwommen.
In den Wipfeln heult der Wind.

Jault sein grelles Klagelied,
gleich als wollte er verhöhnen
mit Gejaule, Kreischen, Stöhnen
jeden, der sein Reich betritt.

Ächzend knarzt ein jeder Baum,
drohend winken krumme Äste
kein Willkommen hier für Gäste.
Nirgends Licht und Waldessaum!

Jeder Tritt auf feuchtem Moos
wird zum Stolpern, Rutschen, Fallen;
am sonst schönsten Ort von allen
ist die Angst nun riesengroß.

All das Tosen, welch ein Krach!
Eben noch schien doch die Sonne,
war das Waldspaziern noch Wonne,
war man fröhlich, leicht und wach.

All das sieht jetzt anders aus!
Finster, düster und bedrohlich.
Und es denkt das Kind: "nun wohl, ich
finde niemals mehr nachhaus". 

Ohne Mut und Zuversicht
sinkt es hin an feuchte Stämme
voller schöner Baumschwammkämme.
Doch die sieht es heute nicht.

Ach, wie sehnt es sich nach Schlaf!
Augen zu und hingekauert,
falls das Tosen ewig dauert.
Stoßgebet: "ich war doch brav..."

Augen auf - war's böser Traum?
Mäuse rascheln, Vögel singen;
allerliebstes Waldesklingen.
"Oh, der schöne Schwamm am Baum!"

War das Opas Stimme da?
Ja, jetzt wieder! Schon viel näher!
"Ach, mein Waldspazierengeher!
Alles gut! Da bist du ja!"

Montag, 24. September 2012

Wenn im Herbst...

Wenn im Herbst die kecken Schnecken
kriechen unter Blätterdecken,
wolln sie sich vorm Frost verstecken!

Laub wird bunt, geht auf die Reise,
fällt zu Boden, sanft und leise.
Hör, es raschelt - eine Meise!

Eichkätzchen gehn Eicheln horten
an ganz viel verschiednen Orten.
Winter steht bald vor den Pforten!

Letzte Glut in Sonnenstrahlen
will rot-goldne Wälder malen.
Sieh - die Bäume, die fast kahlen!

Wenn im Herbst Kastanien fallen,
braun und glänzend dir gefallen,
ist's die schönste Zeit von allen!




.herbst-gedicht/wald-gedicht/natur-gedicht: die amelie '12
.bild: die amelie '12

Freitag, 6. April 2012

Spuk-Pantum

Der Uhu tut es kund:
"Schuhuu! Mein Kind, schuhuu!
Es schlug zur Geisterstund.
Ein End hats mit der Ruh!"

"Schuhuu! Mein Kind, schuhuu!"
so hallt es durch den Wald.
Du hältst die Ohren zu
und Schatten wird Gestalt.

So hallt es durch den Wald,
bis eins die Turmuhr schlägt.
Und Schatten wird Gestalt,
wo 's im Gehölz sich regt.

Bis eins die Turmuhr schlägt,
da tanzen Elben Reigen.
Wo 's im Gehölz sich regt,
wolln sie ihr Spielchen treiben.

Da tanzen Elben Reigen -
mit Wurzelwicht und Gnom
wolln sie ihr Spielchen treiben
in düstrem Monochrom.

Mit Wurzelwicht und Gnom
da spukt es sich famos!
In düstrem Monochrom
auf Waldes weichem Moos.

Da spukt es sich famos -
dir stehn die Haar zu Berge!
Auf Waldes weichem Moos
siehst Geister du und Zwerge.

Dir stehn die Haar zu Berge:
wild spukts! Im finstren Tann
siehst Geister du und Zwerge.
Nun schlägt es eins - getan!

Wild spukts im finstren Tann.
Es schlug zur Geisterstund.
Nun schlägt es eins - getan!
Der Uhu tut es kund.





.grusel-gedicht/uhu-gedicht/wald-gedicht: die amelie ´12
.bild: Louis Agassiz Fuertes, "Eastern Screech Owl", 1919

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Willibald Palander und der Feuersalamander

Im Wald traf jüngstens Willibald Palander
beim Wandern einen Feuersalamander.
Und als der dann auch noch ganz menschlich sprach,
da staunte Willibald und sagte "Ach!

Welch Zauberspruch verlieh dir diese Gabe?
Bist du verhext? Und ist's dann auch der Rabe,
der mich zuvor am Wegkreuz streng beäugte,
in mir ein leises Schaudern so erzeugte?

Wohin bin ich denn heute bloß geraten?
Land' ich womöglich noch als Sonntagsbraten
im Ofen einer Hexe, die hier wohnt?
Ich hoffe doch, ich werd von ihr verschont!"

So bangt und überlegt der Willibald
bei sich und tönt laut plappernd durch den Wald.
Bis sich der Salamander dann erbarmt
und mit erhobnem Fingerchen entwarnt:

"Jetzt komm mal wieder runter, Wandersmann!
Hier wurd noch keiner Seele was getan.
Und würdest du nicht selber endlos reden,
dann könnt ich endlich dir den Ratschlag geben,

dass du am letzten Weg falsch abgebogen
und dir zwei linke Schuhe angezogen."
Der Willibald verstummt und guckt nach unten
und schweigt zum ersten Mal seit vielen Stunden.

Es hat der Salamander nämlich recht.
Jetzt weiß er auch, warum er heut so schlecht
gelaufen ist, schon seit er aufgebrochen.
Hat er bereits beim Schuh-Anziehn gesprochen!

Mit sich - wie er es nun mal ständig tut.
Doch wie er sieht, tut das nicht immer gut.
Zum Dank gelobt er drum dem Salamander:
"Ab heut ist Ruh! So wahr ich heiß Palander!"



 
.salamander-gedicht/wander-gedicht/wald-gedicht: die amelie ´11
.foto: Brian Gratwicke, 2009, wikimedia commons

Mittwoch, 28. September 2011

Herbstbastelei

Endlich ist's wieder so weit!                             
Herbst find ich 'ne tolle Zeit:
Blätter, farbenfroh und bunt,
Nüsse, glänzend, braun und rund,

Äste, Tannenzapfen, Wurzeln,
Beeren, die zu Boden purzeln.
Reich bepackt komm ich nach Haus,
pack dort meine Schätze aus.

Eichelfrüchte werden Köpfe,
deren Hütchen Teller, Näpfe,
Kappen für manch' Zwergenhaupt.
Watte hab ich auch geraubt

(aus dem Bad, für Rauschebärte).
Mama, die sich nicht beschwerte,
gab gleich Klebstoff mit dazu,
Kaffeebohnen für die Schuh.

Noch den Knotenbohrer - dann
fange ich zu basteln an.
Zahnstocher sind Arme, Beine
und aus Wolle flecht ich kleine,

braune Zöpfe, kleb sie dann
auf dem ersten Köpfchen an.
Mit der Schere, schnippeschnapp,
schneid ich allen Röckchen ab

vom Geschenkpapiere-Rest,
den man mir gern überlässt!
Schwarze Augen steck ich dran.
Seh zuletzt mein Werk mir an:

Mama und Kusine Jana,
die hat 'nen Papierpyjama.
Oma - ist doch sonnenklar! -
trägt ihr kurzes, weißes Haar.

Opa, den erkennt man auch:
am Kastanienkugelbauch!
Papa wirkt wie stets - apart -
mit Dreivierfünftagebart.

Eine Eichel kriegt vier Beine,
Streichholzschwanz und Nähgarn-Leine.
Kopf wird eine Haselnuss,
Hundeohrn drauf. Dann ist Schluss!

Mutti malt mit Nagellack
allen rote Bäckchen. Zack!
Seht, da stehn sie, meine Lieben.
Huch - wo bin denn ich geblieben?!




.text: herbst-gedicht/bastel-gedicht/herbstbastel-gedicht: die amelie `11
.bild: "Herbstzeitlose", Anna Lachmann, 1947. In: Mein buntes Jahr.

Montag, 24. Januar 2011

Käfers Winterschlaf

Funkelkrabbelkäferlein,
hast so flinke Beine!
Und dein Panzer glänzt so fein
unterm Sonnenscheine!

Schillerst golden, blau und grün
wie ein Edelstein.
Gräbst dich, wenn die Vögel zieh´n,
tief ins Waldlaub ein.

Doch ich hör dich immer noch
rascheln unter Blättern.
Dann läufst du den Baumstumpf hoch.
Mann, kannst du gut klettern!

Suchst dir flugs ein Rindennest,
um drin warm zu rasten.
Wenn der Herbst den Wald verlässt,
musst auch du lang fasten.

Erst im Frühling, wenn es taut,
reckst du deine Glieder.
Rat mal, wer dann nach dir schaut!
Klar - auch ich komm´ wieder!







.käfer-gedicht/wald-gedicht/natur-gedicht: die amelie, jan. ´11
.foto: die amelie, okt.´10

Dienstag, 27. Oktober 2009

Waldspektakel


Ach, im Wald ist es so still...
nur, wenn man nicht hören will!
Da ein Rascheln, dort ein Wispern,
Käfertrappeln, Herbstlaubknistern.

Nur weil man nicht alles sieht,
heißt das nicht, dass nichts geschieht!

Unter dir wühl´n Regenwürmer,
Spinnen rennen, schnell wie Stürmer.
(Tore schießen sie wohl keine,
sonst verknoten sich die Beine!)

Pillendreher kugeln Mist,
wie es ihre Art so ist.

Waldohreulen drehen stumm
ihren Kopf fast ganz herum.

Waldameisenarbeitstruppen
sammeln Raupen oder Puppen.

Doch es gibt noch so viel mehr!
Waldspektakel, bitte sehr!

Salamander, Ringelnattern,
von links oben Flügelflattern!

Spitz die Ohr´n und hör gut hin!
Alles lebt! Du mittendrin!

Nichts ist laut, wo es nicht muss,
Bächleinrauschen ein Genuss.

Schärf den Blick für Winzigkleines!
Dann entdeckst du noch mehr Feines!

Was noch fehlt, verrat ich nicht -
viel zu lang würd das Gedicht.
Manches ist noch nicht entdeckt,
weil es sich zu gut versteckt!
Hat noch nicht mal einen Namen,
wie zum Beispiel .......





.waldgedicht/naturgedicht/tiergedicht: die amelie ´ 08
.illustration: Jan van Kessel (1626-1679), "Insekten und Beeren"
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