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Sonntag, 22. Mai 2016

Der Dichter im Hochsommer


Jetzt, wo die Tage endlich wieder längern,
und auch die Sonnenstrahlen schon so richtig sengern,
da wird das Gassi-gehen zum Sich-schleppern,
denn bloß die Menschen können sich (halbwegs) entblättern.

Wenn rosa Zungen weit aus Hunderachen hängern,
und Schlurfer werden aus sonst flotten Gängern,
man sich vom einen Schatten bis zum nächsten tastert
und ärgert, dass so viel betongepflastert,

wenn Vögel nur mehr brummen, statt zu zwitschen,
die Hummeln träge gegen Blüten ditschen,
wenn du beim Dichten Wörter fantasievoll beugerst
und sehnsuchtsvoll nach Kaltgetränken äugerst,

wenn du dir wünschst, du könntest nächtens schwebend schlafen,
dann macht der Sommer dir schon voll zu schaffen!





Gedicht: die amelie, 2011

Dienstag, 10. April 2012

Berta Bauers Bürde

(ein Stabreim-Gedicht)


Berta Bauer, blond, mit Brille,
hasst Hans-Holgers Haupt und Haar.
Rot trotzt Ringellockenfülle
Kamm und Kappe. Knabenhaar,
viel zu füllig, fein und fluffig,
unverdient, fiel an den Feind,
Kringel, köstlich klein und knuffig,
Schönheit, die Verschwendung scheint,
höhnt voll Häme Haar, das halblang,
grad, zum Gähnen grässlich glatt
Berta Bauer, blond, mit Brille,
hoch am hellen Haupte hat.





.stabreim-gedicht/haar-gedicht/frisuren-gedicht: die amelie ´12

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Grauselett

(frei nach Christian Morgenstern)


Was raschelt und knackt da im Unterholz?
Wes Schlund wird mich hinter der Hecke zaustern?
Und gutzt nicht grad grausig der düstere Golz?
Welch Schatten seh ich dort im Mondlicht plaustern?

Vom Sumpf das Gequak fieser Flotterschlömpe,
gleich pfeifen die Würmer die Geisterstund ein!
Am Waldrand Getrampel der Warzbrandgrömpe -
Ok. Das genügt mir. Auch ich renn jetzt. Heim!





.grusel-gedicht/wortspiel-gedicht/sprachbastel-gedicht: die amelie `11
.

Montag, 24. Januar 2011

Naturgeheimnisse III

Der Lurch
(eine Arten-Bestimmung)


Auf weiter Flur in Furchen kreucht
ein andrer Lurch als der, der fleucht
im Hausesinneren in Ecken,
wo man ihn ungern mag entdecken!
Den Flurenlurch kann man lang suchen,
den Hausstaublurch voll Furcht verfluchen.
Doch beiden - rar oder auch häufig -
ist Furchenlurchen gleich geläufig.






.lurch-gedicht/spaß-gedicht/wortspiel-gedicht/molch-gedicht: die amelie, jan. ´11
.bild: Hieronymus Bosch (ca. 1450 -1516), "The Garden of Early Delights"

Naturgeheimnisse II

(Geräusche im Sumpf)


Wo dumpf dem Sumpf ein Ruf entspringt,
wenn Messers Schneid den Lurch durchdringt,
dort grollt voll Zorn in Moll ein solcher
schmollender, toller Molcherdolcher!





.molch-gedicht/wortspiel-gedicht/spaßgedicht: die amelie, jan. ´11
.molch-bild/salamander-bild: "Der Feuersalamander", Heinrich Harder (1858-1935)

Dienstag, 26. Oktober 2010

Naturgeheimnisse I

Bei Salamandern anerkannt
als Balsam im Land Samarkand
galt alsbald glattgewalzte Paste
samt Saft der Grashalmnarbenquaste
des Wandelsamen Halsbandfarns.
Ich gebs ja zu: ist alles Schmarrns!

Sonntag, 28. März 2010

Rappelzappelratemal

Kribbelkrabbelkratzelfüße
klettern zwischen Haselnüsse.

Schwibbelschwabbelnesselfallen -
sind die glibbrigsten von allen!

Knisterknasternagezähne
machen aus Holzstämmen Späne.

Sibberbibberzitterbeine
eilen achtfach über Steine.

Schlumpfmumpfschlotz, schon längst daheim,
gleiten sie auf eignem Schleim.

Schmatzbatzschlatz - gibt’s einen Fleck.
Kreischend fliegt sie oben weg.

Tipptapptrapp auf leisen Sohlen
huscht wer barfuß über Bohlen?

Du? Ganz ohne Strümpf und Schuh?
Klar! Nun rat den Rest im Nu!




.rätselgedicht/tiergedicht/rategedicht/tierrätselgedicht:  die amelie '10
.bilder: wikimedia, collage: die amelie

Dienstag, 3. November 2009

Tier-Namen-Geholper


Wie heißt ein Gorilla-
Mädchen? Logo: Tilla!

Wie heißt wohl ein Panda-
Mädel? Klaro: Wanda!

Wie heißt dann ein Falter-
Knabe? 'türlich: Walter!

Deshalb heißt ein Rochen-
Junge auch nur Jochen.

Und die kesse Wanze?
Tja, die heißt Konstanze.

Fast vergessen! - Jan
heißt der Wanzenmann.

Wär Klaus eine Mäusin,
hieße er dann Kläusin?

Wie heißt bloß -owei! -
Mama Papagei?

Warum das Gedicht
holpert?
Weiß ich nicht.


.holper-gedicht/unfug-gedicht/namen-gedicht: die amelie ´ 09
.öl-gemälde: "Wein und Konfekt, Maus und Papagei" von Georg Flegel (1566–1638)

Freitag, 30. Oktober 2009

Ottos Mops, Ernst Jandl (gar nicht so ernst) und Brechts Specht



Du kennst vielleicht schon das Gedicht "Ottos Mops" von Ernst Jandl.
In dem unteren Fenster kannst du ihn selbst sehen und hören, wie er sein Gedicht vorträgt.
Im oberen hat jemand ganz kreativ aus Jandls Text eine sogenannte Animation gemacht und mit schöner Musik kombiniert, sodass alle Buchstaben (und zwar jeder einzelne!), die in "Ottos Mops" vorkommen, sich bewegen und dazu tanzen.

Ich seh mir das immer wieder gern an!
Und das Gedicht selbst find ich sowieso toll!
Brumm! Auch dir viel Spaß dabei

wünscht


Dein Bert








Ob du wohl auch ein Gedicht mit nur einem einzigen Vokal hinbekommst? Versuch es doch einfach. Es macht auf jeden Fall Spaß!

Und vielleicht kommt ja auch so etwas dabei heraus wie das Gedicht hier, das die "amelie" natürlich Ernst Jandl zu Ehren versucht hat (sie hat übrigens einmal in dem Gedicht "geschummelt". Hihi. Findest du heraus, wo?):


Brechts Specht


Brechts Specht peckt.
Specht: tekk tekk!

Brecht: weg, Specht, weg!
Specht (recht keck): peck!

Brecht zecht.
Brecht geht’s echt schlecht.
Specht: kneck kneck!
Brecht: ächz.

Brecht: Specht! Wech!

Brecht redet.
Brecht wedelt.
Brechts Specht steht.
Brechts Specht peckt.
Brechts Specht steckt.

Brecht: Pech, Specht! Pech!




.spechtgedicht/dada-gedicht/jandl-gedicht/vogelgedicht: die amelie ´ 09

Dienstag, 27. Oktober 2009

Kindersommer



"Schnitterschnatter! Rumgeflatter!"
watscheln Enten aus dem Gatter.

Blökend, „mäh“hend, Wiesen mähend
schlendern Schafe, fast schon stehend.

Bummelbrummelnd, summend grummelnd
Hummeln sich um Blüten tummeln.

Sirrend, schwirrend, leise flirrend
Flügelschlag mag Luft verwirren.

Itzelbitzel Zehenkitzel !
Grashalm in dein Ohr reinfitzel...

Sommer, Sonne, gleißendweiß,
Funkelglitzerwassereis.

Schau durch deiner Murmel Glas!
Mehr noch siehst du...
und all das!




.sommergedicht/spaßgedicht/wortspielgedicht: die amelie ´ 08
.foto und bearbeitung: die amelie ´ 09

Radau in der Au


„Blubb“ – da! Ein Frosch
springt und macht „Splosch!“

Es klingt wie „Splisch!“,
schnellt hoch ein Fisch.

Leise tönt -„Sirr“-
Libellengeschwirr.

„Tokk tokk tokk tokk“ -
klopft Holz der Bock.

„Tack tack tack tack“ -
hallt Spechtgehack.

„Wlatsch“ reiten Welle
Schildkröten schnelle.

„Kchchch“ kratzt auf Holz
Schlangenhaut stolz.

Träg brummeln - „bsssssummm“ -
Hummeln herum.

Still stehst nur du,
die Augen zu,

lauschst ganz genau
hier in der Au,

Sonne an Haut.
Ist das hier laut!



.geräuschegedicht/naturgedicht/hörgedicht/sommergedicht: die amelie ´ 09
.fotos und collage: die amelie ´ 09

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Das Vornamen-ABC-Gedicht mit dem Yak



Agathe liebt Salate,
Brigitte Sahneschnitte
und Cäsar sprach Latein.

Daniela macht nie Fehler,
Emilie riecht nach Lilie
und Franzens Frack ging ein.

Gisella wäscht brav Teller,
Horst morst vom grünen Forst
und Irmtraud haust allein.

Jürgen muss immer würgen,
Karola trinkt gern Cola
und Lotte lieber Wein.

Marianne in der Wanne
hört Norbert,der laut fordert:
Ophelia, komm bald heim!

Pauline nascht Praline,
Quirin will lieber hierhin,
Ralf-Rüdiger glitscht auf Schleim.

Sarah in der Sahara
sucht dort Theo, den Beo
und Utz bringt beide heim.

Verena kennt Athener,
Walter verschiedne Falter
und Xaver fängt sie ein.

Das Yak sagt: „So ein Quark!
Ich zottel wie ein Trottel
als letzter hinterdrein!“




.vornamengedicht/abc-gedicht/spaßgedicht: die amelie ´ 09
.bild: "Konstruktion von Buchstaben", Albrecht Dürer, 1604
"NOP" aus dem "Fantastischen Alphabet", Meister E.S., 1466

Freitag, 16. Oktober 2009

Attila, der Hunnenkönig



ttila, der Hunnenkönig,
mochte Eis am liebsten cremig.

Uttila, der Hannenkönig,
aß selbst viel, die Hannen wenig.

Hunnila, der Attenkönig,
brüllte oft, war´ s Wetter föhnig.

Attinnen, der Hullaherrscher,
war bloßfäustiger Zermerscher.

Unnila, Hatten-Regent,
führte strengstes Regiment.

Hannilein, den Uttenfürst,
lockten Rentier-Räucherwürst.

Huttila, der Annenprinz,
sagte stets: „ i glaub, ihr spinnts!“

Huntila, dem Atnenkämpfer,
gab das immer einen Dämpfer.

Annilein, die einzge Frau,
ward Attinnens Braut. Schau schau!
Bracht´ ihm so das Huttenreich.
Ach, es läuft doch immer gleich!




.spaßgedicht/wortspielgedicht von: die amelie ´ 09
.initiale: John D. Batten, 1892
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