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Sonntag, 6. März 2011

Rotkäppchen, mal anders

Ralf, der Wolf, schritt durch den Wald,
hoffte still "ach, fänd ich bald
einen feinen Leckerbissen
ohne auf die Jagd zu müssen!"

Sieh - da kreuzte - welch ein Glück -
Rotkäppchen des Wolfes Blick!
Sah zum Anbeißen heut aus.
Appetitlich! Ei der Daus!

Und im Korb das Mädchens gar
sah er Rotwein, wunderbar!
Kuchen auch noch - als Dessert!
Sowas freut den Wolf schon sehr!

Also schlich er sich leis an
an die knusprige Madame,
welche sich am Wegrand bückte
und manch Blümchen dabei pflückte.

"Holdes Fräulein, seid gegrüßt"
sprach der Wolf, ganz zuckersüß.
"Unterwegs heut so allein?
Ach, ist es im Wald nicht fein?

Hört, ich kenn' da einen Platz
wo im Handumdrehn, Ratz-Fatz!,
ihr den schönsten Blumenstrauß
pflücken könnt. Ein Augenschmaus!"

Bei dem Schmause-Wort, da rann
Sabber Wolf Ralfs Kinn entlang.
Rotkäppchen, recht aufgeweckt,
rief "erst spielen wir Versteck!

Halt den Korb und zähl bis dreißig.
Ich verberg mich derweil fleißig."
Sprach's und sprang vergnügt von hinnen.
Ralf, der Wolf, begann zu sinnen

"Eins, zwei, drei, was kommt danach?
Rechnen war noch nie mein Fach..."
Und so steht er heute noch.
Mit 'nem Korb, im Bauch ein Loch.






.rotkäppchen-gedicht/wolf-gedicht/wald-gedicht/märchen-gedicht: die amelie ´11
.bild: Rotkäppchen-Szene aus dem Schreiber Papiertheater, Foto: die amelie ´11

Samstag, 18. Dezember 2010

Kleine Mädchen und Monster

(meiner Nichte Rosmarie gewidmet)


Rosmarie ist heute Monster,
guckt ganz grimmig, wild und schief.
(Möglich wäre, dass es dran liegt,
dass sie viel zu wenig schlief.)

Und so rollt sie unter Brauen,
tief gezogen, Augen rund,
fletscht die kleinen, vielen Zähne
im Grad-noch-Prinzesschen-Mund.

Krallen werden ihre Finger,
fest entschlossen zuzupacken.
Wenn man sie so sieht, dann rieselt
leiser Schauder über Nacken.

Aus der Kehle dringt ein Grollen,
gruselgrausigfürchterlich!
Als wir grade flüchten wollen,
lacht sie hell "Das bin doch ich!"



kleine Monster für kleine Monster


monster-gedicht/mädchen-grusel-gedicht/rosmarie-gedicht: die amelie ´10
monster-bild: "Kleine Monster für kleine Monster" (Filz) , KoBoldtDesign

Freitag, 16. Oktober 2009

Am Rand der Welt



















Unter nächtlich grünem Himmel
reitet mutig und pfeilschnell
hoch zu Ross auf ihrem Schimmel
die Prinzessin Mirabell.

Edelsteinbesetzt die Krone,
dünn ihr Kleid und haucheszart.
Wunderhübsch, ganz zweifelsohne,
hier sich Mut mit Anmut paart.

Wild weh´n Haar und Pferdemähne,
stumm im Sturm auf weiter Flur,
Schaum bedeckt des Schimmels Zähne,
doch sie treibt ihn streng und stur.

Grün bestrahlt von Sterngefunkel
eilt sie hin zum Rand der Welt
- von dem Platz, so wird gemunkelt,
man als Held hinunterfällt.

All die düstren, alten Lieder
künden, dass dort herrscht Gefahr,
und es kehrte keiner wieder,
der zuvor am Ort schon war.

Mirabell kann das nicht schrecken!
Viel zu groß die Wissbegier,
fürchtet sie nicht weite Strecken,
weder Feind, noch Ungetier!

Nichts und niemand wird sie hindern
dort am Rand sich vorzubeugen,
ihrer Neugier Drang zu lindern,
um sich selbst zu überzeugen,

ob es wahr, was man erzählt:
dass hinter dem Horizont
nur die Sonne tiefer fällt
und mit Bruder Mond dort wohnt.



.prinzessinnengedicht/mutgedicht von: die amelie ´ 08
.bild: Riddaren rider, John Bauer 1914
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