Donnerstag, 4. Februar 2010

Die Welt macht Urlaub




Er klopft nicht an
und macht auch keine Schritte.
Ganz plötzlich – ungehört -
stehst du in seiner Mitte.

Fühlst dich gepackt in ihn,
ganz wie in Zuckerwatte -
so wie den Rest der Welt,
die nun ganz farbenmatte.

Als wär mit Kreidestaub sie hauchdünn überschüttet,
wird alles blass und bleich,
unscharf und weiß getönt.

Und wolkensanft umhüllt fühlst du dich leis behütet.
Alles liegt still und weich
und nicht ein Fahrzeug dröhnt.

Die Welt steht stille, fast!,
und muss mal langsam machen.
Macht Urlaub. Nebel find ich
eins von den schönsten Sachen!



.nebelgedicht: die amelie ´ 10
.bild: "Nebel", Caspar David Friedrich, 1807

Donnerstag, 17. Dezember 2009

KLEIN & groß



















Stell dir vor, du wärst Gigant,
stiegst über den Erdenrand,

so als wär sie Murmel-klein
und du selbst im All allein.

Knipps die Sonne an und aus.
Pick dir Funkelsterne raus.

Lock den Mond aus dunklen Ecken,
sonst kann man ihn nicht entdecken!

Du, als Riese, gib gut Acht!
Setz die Tritte mit Bedacht,

sonst zerquetscht du noch zum Schluss
Welten leicht wie eine Nuss!

Viel steckt auch im Winzigkleinen,
auch wenn's anders dir mag scheinen!





.weltall-gedicht/riesen-gedicht/großundklein-gedicht: die amelie ´ 09
.bild und fotobearbeitung: die amelie ´ 09

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Winta-Weihnåcht


(Weihnachts-Pantum in Mundart)



De Gsichta stroin im Lichtaglaunz,
drausd wüabön eiskristoine Flockn.
Vier Kerzln flackan aufm Kraunz,
daweu mia drent beinaundahockn.

Drausd wüabön eiskristoine Flockn
vur augrennt koida Butznscheibm,
daweu mia drent beinaundahockn,
daun liaba in da Stubm bleibm.

Vur augrennt koida Butznscheibm
heascht Winta - koid und tiaf! Waaßt eh!
Daun liaba in da Stubm bleibm,
beim Ofnfeia, woam und schee!

Heascht Winta - koid und tiaf! Waaßt eh! -
schlofd untam Schnee da gaunze Woid.
Beim Ofnfeia, woam und schee,
gfrei ma uns: es is Weihnåcht boid!

Schlofd untam Schnee da gaunze Woid,
vier Kerzln flackan aufm Kraunz -
gfrei ma uns: es is Weihnåcht boid!
De Gsichta stroin im Lichtaglaunz.





.mundartgedicht/weihnachtsgedicht/pantum: die amelie ´ 09
.bild: Adolph Tiedemand, 1846, "Weihnachtsbräuche in Norwegen"

Freitag, 27. November 2009

Unter Fischen

Schau, da kommen sie geschossen,
pfeilschnell durch das weite Meer!
Rudern eifrig mit den Flossen,
schwimmen dicht an dicht umher.

Ändern blitzgeschwind die Richtung
(auf Kommando? Doch von wem!?)
bei der kleinsten Feindessichtung -
Anführer sind nicht zu sehn.

Von der Flosse bis zum Kopf
gleicht ein Fischchen hier dem andern.
Drum ist keins ein eitler Tropf.
Sieh sie mit der Strömung wandern!

Doch – Moment! - hast du verglichen?
Sind sie wirklich alle gleich?
Einer hat sich eingeschlichen
mitten in des Schwarmes Reich!

Leuchtet fröhlich rot hervor,
ist nun nicht mehr so allein.
Singt gern mit im Blubber-Chor.
Will einer von vielen sein!























.fischgedicht/dazu-gehören-gedicht/freundschaftsgedicht: die amelie ´ 09
.druck: georg n. (6), sohn von "die amelie", ´ 09

Mittwoch, 25. November 2009

Winter-Weihnacht


(ein Pantum)


Gesichter, froh im Lichterglanz!
Es wirbeln eiskristallne Flocken.
Vier Kerzen flackern auf dem Kranz,
während wir dicht beisammenhocken.

Es wirbeln eiskristallne Flocken
vor angelaufner Butzenscheibe,
während wir dicht beisammenhocken
in unsrer feinen, warmen Bleibe.

Vor angelaufner Butzenscheibe
herrscht Winter, eisig, seidigweiß.
In unsrer feinen, warmen Bleibe
wärmt Ofenfeuer, knackend heiß.

Herrscht Winter, eisig, seidigweiß,
schläft unter tiefem Schnee der Wald,
wärmt Ofenfeuer, knackend heiß,
ahnt man bereits: 's ist Weihnacht bald!

Schläft unter tiefem Schnee der Wald,
vier Kerzen flackern auf dem Kranz,
ahnt man bereits: 's ist Weihnacht bald.
Gesichter, froh im Lichterglanz!







.pantum/weihnachtsgedicht/adventgedicht und foto: die amelie ´ 09

Sonntag, 22. November 2009

Anne und das Holzschaf


(ein Weihnachtsgedicht)


Anne ist heut aufgeregt,
schlechte Laune weggefegt,
denn es ist wieder so weit:
Heilig Abend macht sich breit!

Fest in Omas Arm gehakt
geht es auf den Weihnachtsmarkt.
Dass es winters so früh dunkelt
freut sie sonst nicht. Doch heut funkelt

was nur kann im Kerzenlicht!
Weihnachtsleuchten im Gesicht
wandern sie von Stand zu Stand
und bestaunen allerhand.

Anne freut sich ganz besonders
auf die Krippen von Herrn Gonders:
aufgestellt, kaum ist's Advent!
Und ein jeder, der sie kennt,

hat es sich zur Pflicht gemacht
alle Jahr zur Heilgen Nacht
eines von Herrn Gonders Schafen
einem ganz besonders braven

Kind unter den Baum zu legen.
Dies als Weihnachtsbrauch zu pflegen.
„Sind zwar nur aus Holz geschnitzt“
sagt Herr Gonders gern verschmitzt,

„doch manchmal, wenn sie da stehen,
glaub ich selbst, ich könnte sehen,
wie sie mit den Ohren schlenkern,
mäh-hend mit den andern stänkern,

dass beim alten Opa Gonders
die Verpflegung nicht besonders.
Meine Schafe, musst du wissen,
grasen nicht auf grünen Wiesen

und nicht auf der Tischlerbank.
Darum würden sie auch krank,
kaufte sie nicht ganz geschwind
jemand für ein braves Kind!

Denn ein jedes meiner Lämmchen
lebt vom Schein der Kerzenflämmchen
und von hellem Kinderlachen,
wie's nur Freude kann entfachen.“

„Weiß ich doch! Ich hab schon eins.
Und sein Name ist Karl-Heinz!“
unterbricht ihn Anne stolz.
„Ist denn so ein Schaf aus Holz“

mischt sich Oma leise ein,
„nicht ganz fürchterlich allein?
Das da drüben, bitte sehr,
sieht die ganze Zeit schon her.“

„Ach. Sie meinen Anneliese,
da, ganz hinten auf der Wiese?
Stimmt. Sie hat hierhergesehen
seit Sie beide bei mir stehen.

Anne hat's ihr angetan.
Das sieht wohl ein jedermann.“
„Na, was denkst du, meint Karl-Heinz,
stell'n wir heuer noch so eins

zu der Krippe unterm Baum?
Anne, der wird aber schau'n!“
meint nun Oma, „das wird fein:
keiner muss dann einsam sein!“

Anne hört schon nicht mehr hin,
muss sich angestrengt bemüh'n,
nicht zu blinzeln, sie könnt schwör'n
dass gerade war zu hör'n

leises Blöken von der Wiese.
Dort, aus Richtung Anneliese!
„Packen Sie sie gar nicht ein.
Ich trag sie im Fäustling heim“

flüstert Anne. Oma lacht.
Und Herr Gonders reicht ganz sacht
Anne nun das kleine Schaf.
Mahnt es noch: „sei mir bloß brav!“

Oma zahlt, dann geht’s nach Haus.
Fröhlich seh'n sie alle aus:
Oma, Anneliese, Anne
und Karl-Heinz unter der Tanne!




.weihnachtsgedicht/krippengedicht/weihnachtslammgedicht/adventmarktgedicht: die amelie ´ 09
.ölgemälde: "Miss Frances Warren", Joseph Wright of Derby, 1763

Mittwoch, 18. November 2009

Vergurktes Märchen-Gemurks

Ein Ritter reitet.
Der König schreitet.
Die Elfe schwebt.
Das Rehlein bebt.

So ist das halt -
jede Gestalt
im Märchenland
wird so erkannt.

Stell dir nur vor,
es wär verdreht!
Dann wüsst man nie,
worum es geht:

der Ritter bebt,
ein König schwebt,
das Rehlein reitet,
die Elfe schreitet.

So geht das nicht
und die Geschicht
wird ganz vermurkst,
wenn du's vergurkst!

Stell dir nur vor:
der König schwebt!
Mit einem Mal:
die Erde bebt,

weil er – pardauz -
zu Boden fällt,
auf seinen Platz
in Märchens Welt.

Sowas versetzt
zu Recht den Ritter
in ordentliches
Angstgezitter.

Womöglich gibt’s
dann guten Grund,
warum ein Rehlein
reitet und


worauf. Auch das
ist hier die Frage.
Die Elfe schreitet
ohne Plage

aus dem Gedicht.
Sie mag es nicht.









.murks-gedicht/märchen-gedicht: die amelie ´ 09
.illustration: John D. Batten, 1892

Dienstag, 17. November 2009

Der Lockruf der Wassernixe

(eine schaurige Villanelle ganz in der Tradition eines "Erlkönig" für etwas größere Kinder, die sich gern gruseln)



Zu mir herab, tauch, süßer Jüngling, bis zum düstren Grund.
Lass dich dabei nicht in den Algenwäldern fangen!
Ich warte wasserschwebend auf dich hier, gar Stund um Stund.

Seit ich dich sah, dürstet nach dir mein kühler Mund
und meine klammen Finger danach warmes Fleisch zu langen.
Zu mir herab, tauch, süßer Jüngling, bis zum düstren Grund!

Glaub mir, es liegt für dich bereit kostbarer Fund:
der Nixen Gold, von dem der Ahnen Lieder sangen!
Ich warte wasserschwebend auf dich hier, gar Stund um Stund.

Jahraus, jahrein bewacht' ich diesen Schatz in Weihers Schlund
für dich! Drum sollst nicht länger du noch bangen!
Zu mir herab, tauch, süßer Jüngling, bis zum düstren Grund!

So einsam, schwer und kalt ist meinem Herz, und wund!
Wie gern berührt' ich deine rosenroten Wangen!
Ich warte wasserschwebend auf dich hier, gar Stund um Stund.

Ich weiß: bald trifft mich leer dein Blick aus Augenrund,
verstummen all der Liebe Worte, die zuvor erklangen.
Zu mir herab, tauch, süßer Jüngling, bis zum düstren Grund.
Ich warte wasserschwebend dann mit dir, gar Stund um Stund.



.nixengedicht/gruselgedicht/schauriges gedicht: die amelie ´ 09
.foto: die amelie ´ 09

Dienstag, 10. November 2009

Monsterkeksbacktag (kein Gedicht für schwache Mägen)


Ritzeratze Zippelfrack,
heut ist Monsterkeksbacktag!
Süßes essen Monster gern,
doch nicht Zimt- und Mandelstern.

Viel zu hübsch sehen die aus
für den Monstertellergraus.
Wahrer Monster-Un-Genuss
verträgt keinen Zuckerguss.

In den Teig gehör'n hinein:
Moorhuhnei und Algenschleim!
Anstatt Mehl und Orangeat
rührt man Staub und Waldschrattbart

noch dazu, bis alles cremig
oder pampig-schleimig-sämig.
Lässt die Masse dann lang ruh'n
in modrigen Morschholztruh'n

für ein Jahr oder auch zwei.
Dann hol man sie rasch herbei,
walze sie schön flach und platt,
klopf die Würmer darin glatt,

steche schöne Förmchen aus.
Käfer sehen da gut aus!
Oder nimm Kotzpfützenform,
die gefällt auch ganz enorm!

Ab ins Backrohr, wieder raus:
herrlich fahlgrün sieht das aus!
Nun noch liebevoll garniert
und mit allem dekoriert,

was da krabbelt, kreucht und fliegt.
Wenn's dann auf dem Teller liegt,
unser Monster-Kleingebäck,
krieg, du Menschlein, keinen Schreck!




.keks-gedicht/monster-gedicht/ekel-gedicht/back-gedicht: die amelie ´ 09
.monstergebäck-bild: http://www.holidash.com/halloween/crafts/diy-halloween

Sonntag, 8. November 2009

Eugen Eulerich



Eugen, alter Eulerich,
bist ganz schön großmäulerich!
Machst vor Olga Eulendame
für dich selbst eifrigst Reklame.

Plusterst, bläst und spielst dich auf,
fliegst zur Kirchturmuhr hinauf,
einen Looping obendrüber.
Eugen, bist du ganz hinüber?!

Olga findet Wagemut
nämlich überhaupt nicht gut.
Und sie hätt es dir gesagt,
hättest du sie nett gefragt

nach 'nem Eulen-Rendezvous
nachts mit Mondschein und Schuhuu
(Olga mags lieber romantisch
anstatt heldenhaft-gigantisch)!

Lass die Flattershow doch sein!
Sieh nur – sie sitzt ganz allein!
Eugen, hör: so wird das nix!
Schluss jetzt mit dem Rumgefliegs!

Lad sie doch zum Essen ein:
auf Feldmaus bei Glühwurmschein
und ein Schlückchen Wiesentau -
das mag jede Eulenfrau!

Prahl nicht, doch erzähl von dir.
Frag sie auch „wie geht es dir?“
und erkämpf mit Charme und Scherz
Olga Eulendames Herz!






.eulengedicht/erober-gedicht: die amelie ´ 09
.bild: "Zwei Eulen", Thomas Moran, 1837 - 1926