(ein Stabreim-Gedicht)
Berta Bauer, blond, mit Brille,
hasst Hans-Holgers Haupt und Haar.
Rot trotzt Ringellockenfülle
Kamm und Kappe. Knabenhaar,
viel zu füllig, fein und fluffig,
unverdient, fiel an den Feind,
Kringel, köstlich klein und knuffig,
Schönheit, die Verschwendung scheint,
höhnt voll Häme Haar, das halblang,
grad, zum Gähnen grässlich glatt
Berta Bauer, blond, mit Brille,
hoch am hellen Haupte hat.
.stabreim-gedicht/haar-gedicht/frisuren-gedicht: die amelie ´12
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Dienstag, 10. April 2012
Freitag, 6. April 2012
Spuk-Pantum
Der Uhu tut es kund:
"Schuhuu! Mein Kind, schuhuu!
Es schlug zur Geisterstund.
Ein End hats mit der Ruh!"
"Schuhuu! Mein Kind, schuhuu!"
so hallt es durch den Wald.
Du hältst die Ohren zu
und Schatten wird Gestalt.
So hallt es durch den Wald,
bis eins die Turmuhr schlägt.
Und Schatten wird Gestalt,
wo 's im Gehölz sich regt.
Bis eins die Turmuhr schlägt,
da tanzen Elben Reigen.
Wo 's im Gehölz sich regt,
wolln sie ihr Spielchen treiben.
Da tanzen Elben Reigen -
mit Wurzelwicht und Gnom
wolln sie ihr Spielchen treiben
in düstrem Monochrom.
Mit Wurzelwicht und Gnom
da spukt es sich famos!
In düstrem Monochrom
auf Waldes weichem Moos.
Da spukt es sich famos -
dir stehn die Haar zu Berge!
Auf Waldes weichem Moos
siehst Geister du und Zwerge.
Dir stehn die Haar zu Berge:
wild spukts! Im finstren Tann
siehst Geister du und Zwerge.
Nun schlägt es eins - getan!
Wild spukts im finstren Tann.
Es schlug zur Geisterstund.
Nun schlägt es eins - getan!
Der Uhu tut es kund.
.grusel-gedicht/uhu-gedicht/wald-gedicht: die amelie ´12
.bild: Louis Agassiz Fuertes, "Eastern Screech Owl", 1919
"Schuhuu! Mein Kind, schuhuu!
Es schlug zur Geisterstund.
Ein End hats mit der Ruh!"
"Schuhuu! Mein Kind, schuhuu!"
so hallt es durch den Wald.
Du hältst die Ohren zu
und Schatten wird Gestalt.
So hallt es durch den Wald,
bis eins die Turmuhr schlägt.
Und Schatten wird Gestalt,
wo 's im Gehölz sich regt.
Bis eins die Turmuhr schlägt,
da tanzen Elben Reigen.
Wo 's im Gehölz sich regt,
wolln sie ihr Spielchen treiben.
Da tanzen Elben Reigen -
mit Wurzelwicht und Gnom
wolln sie ihr Spielchen treiben
in düstrem Monochrom.
Mit Wurzelwicht und Gnom
da spukt es sich famos!
In düstrem Monochrom
auf Waldes weichem Moos.
Da spukt es sich famos -
dir stehn die Haar zu Berge!
Auf Waldes weichem Moos
siehst Geister du und Zwerge.
Dir stehn die Haar zu Berge:
wild spukts! Im finstren Tann
siehst Geister du und Zwerge.
Nun schlägt es eins - getan!
Wild spukts im finstren Tann.
Es schlug zur Geisterstund.
Nun schlägt es eins - getan!
Der Uhu tut es kund.
.grusel-gedicht/uhu-gedicht/wald-gedicht: die amelie ´12
.bild: Louis Agassiz Fuertes, "Eastern Screech Owl", 1919
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Montag, 23. Januar 2012
Ein Zauberer mit Namen Frost
Kriecht Winterluft an Nas' und Zeh'n,
spürt man die Atemluft gefrieren,
von Norden kalte Winde weh'n,
woll'n Wolken weiße Fracht verlieren.
Spürt man die Atemluft gefrieren,
fahr'n Kinder Schlittschuh auf dem Teich,
woll'n Wolken weiße Fracht verlieren,
herrscht Zaubrer Frost über das Reich.
Fahr'n Kinder Schlittschuh auf dem Teich,
wenn Krähen kahle Bäume zieren,
herrscht Zaubrer Frost über das Reich,
geh'n Menschen dicht vermummt spazieren.
Wenn Krähen kahle Bäume zieren,
von Norden kalte Winde weh'n,
geh'n Menschen dicht vermummt spazieren,
kriecht Winterluft an Nas' und Zeh'n.
spürt man die Atemluft gefrieren,
von Norden kalte Winde weh'n,
woll'n Wolken weiße Fracht verlieren.
Spürt man die Atemluft gefrieren,
fahr'n Kinder Schlittschuh auf dem Teich,
woll'n Wolken weiße Fracht verlieren,
herrscht Zaubrer Frost über das Reich.
Fahr'n Kinder Schlittschuh auf dem Teich,
wenn Krähen kahle Bäume zieren,
herrscht Zaubrer Frost über das Reich,
geh'n Menschen dicht vermummt spazieren.
Wenn Krähen kahle Bäume zieren,
von Norden kalte Winde weh'n,
geh'n Menschen dicht vermummt spazieren,
kriecht Winterluft an Nas' und Zeh'n.
.pantun / pantum /winter-gedicht/frost-gedicht/schnee-gedicht: die amelie ´12
.bild: "Winterlandschaft mit Eisläufern und Vogelfalle", 1601, Pieter Brueghel der Ältere
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Mein Hund
da liegt mein Hund.
Er macht sich breit,
er macht sich rund.
Er seufzt ganz tief
voller Behagen,
versucht im Traum
ein Reh zu jagen.
Ich streich bedächtig
durch sein Fell,
das ist so flauschig,
dicht und hell.
Dann kraul ich sacht
hinter den Ohren,
zum Ohrenkrauler
auserkoren.
Ich wage kaum
mich zu bewegen,
um meinen Hund
nicht zu erregen.
Und seh ich
wie er selig schläft,
verkneif ich mir
auch mein Geschäft.
So liegt er da
und ich finds fein.
Mir schlafen bloß
die Füße ein...
.hunde-gedicht/haustier-gedicht/tier-gedicht: die amelie ´12
foto: die amelie
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Samstag, 31. Dezember 2011
Prosit Neujahr!
Liebe Leser, groß und klein,
rutscht gut ins neue Jahr hinein!
Bert und Amelie sagen Danke für ein weiteres Jahr treuen Lesens und wünschen für 2012 nur das Beste!
Donnerstag, 15. Dezember 2011
Grauselett
(frei nach Christian Morgenstern)
Was raschelt und knackt da im Unterholz?
Wes Schlund wird mich hinter der Hecke zaustern?
Und gutzt nicht grad grausig der düstere Golz?
Welch Schatten seh ich dort im Mondlicht plaustern?
Vom Sumpf das Gequak fieser Flotterschlömpe,
gleich pfeifen die Würmer die Geisterstund ein!
Am Waldrand Getrampel der Warzbrandgrömpe -
Ok. Das genügt mir. Auch ich renn jetzt. Heim!
.grusel-gedicht/wortspiel-gedicht/sprachbastel-gedicht: die amelie `11
.
Was raschelt und knackt da im Unterholz?
Wes Schlund wird mich hinter der Hecke zaustern?
Und gutzt nicht grad grausig der düstere Golz?
Welch Schatten seh ich dort im Mondlicht plaustern?
Vom Sumpf das Gequak fieser Flotterschlömpe,
gleich pfeifen die Würmer die Geisterstund ein!
Am Waldrand Getrampel der Warzbrandgrömpe -
Ok. Das genügt mir. Auch ich renn jetzt. Heim!
.grusel-gedicht/wortspiel-gedicht/sprachbastel-gedicht: die amelie `11
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Mittwoch, 7. Dezember 2011
Willibald Palander und der Feuersalamander
Im Wald traf jüngstens Willibald Palander
beim Wandern einen Feuersalamander.
Und als der dann auch noch ganz menschlich sprach,
da staunte Willibald und sagte "Ach!
Welch Zauberspruch verlieh dir diese Gabe?
Bist du verhext? Und ist's dann auch der Rabe,
der mich zuvor am Wegkreuz streng beäugte,
in mir ein leises Schaudern so erzeugte?
Wohin bin ich denn heute bloß geraten?
Land' ich womöglich noch als Sonntagsbraten
im Ofen einer Hexe, die hier wohnt?
Ich hoffe doch, ich werd von ihr verschont!"
So bangt und überlegt der Willibald
bei sich und tönt laut plappernd durch den Wald.
Bis sich der Salamander dann erbarmt
und mit erhobnem Fingerchen entwarnt:
"Jetzt komm mal wieder runter, Wandersmann!
Hier wurd noch keiner Seele was getan.
Und würdest du nicht selber endlos reden,
dann könnt ich endlich dir den Ratschlag geben,
dass du am letzten Weg falsch abgebogen
und dir zwei linke Schuhe angezogen."
Der Willibald verstummt und guckt nach unten
und schweigt zum ersten Mal seit vielen Stunden.
Es hat der Salamander nämlich recht.
Jetzt weiß er auch, warum er heut so schlecht
gelaufen ist, schon seit er aufgebrochen.
Hat er bereits beim Schuh-Anziehn gesprochen!
Mit sich - wie er es nun mal ständig tut.
Doch wie er sieht, tut das nicht immer gut.
Zum Dank gelobt er drum dem Salamander:
"Ab heut ist Ruh! So wahr ich heiß Palander!"
.salamander-gedicht/wander-gedicht/wald-gedicht: die amelie ´11
.foto: Brian Gratwicke, 2009, wikimedia commons
beim Wandern einen Feuersalamander.
Und als der dann auch noch ganz menschlich sprach,
da staunte Willibald und sagte "Ach!
Welch Zauberspruch verlieh dir diese Gabe?
Bist du verhext? Und ist's dann auch der Rabe,
der mich zuvor am Wegkreuz streng beäugte,
in mir ein leises Schaudern so erzeugte?
Wohin bin ich denn heute bloß geraten?
Land' ich womöglich noch als Sonntagsbraten
im Ofen einer Hexe, die hier wohnt?
Ich hoffe doch, ich werd von ihr verschont!"
So bangt und überlegt der Willibald
bei sich und tönt laut plappernd durch den Wald.
Bis sich der Salamander dann erbarmt
und mit erhobnem Fingerchen entwarnt:
"Jetzt komm mal wieder runter, Wandersmann!
Hier wurd noch keiner Seele was getan.
Und würdest du nicht selber endlos reden,
dann könnt ich endlich dir den Ratschlag geben,
dass du am letzten Weg falsch abgebogen
und dir zwei linke Schuhe angezogen."
Der Willibald verstummt und guckt nach unten
und schweigt zum ersten Mal seit vielen Stunden.
Es hat der Salamander nämlich recht.
Jetzt weiß er auch, warum er heut so schlecht
gelaufen ist, schon seit er aufgebrochen.
Hat er bereits beim Schuh-Anziehn gesprochen!
Mit sich - wie er es nun mal ständig tut.
Doch wie er sieht, tut das nicht immer gut.
Zum Dank gelobt er drum dem Salamander:
"Ab heut ist Ruh! So wahr ich heiß Palander!"
.foto: Brian Gratwicke, 2009, wikimedia commons
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Freitag, 2. Dezember 2011
Oh, Tannenbaum - Vorfreude!

Kugeln glänzen zwischen grünen Zweigen,
Tannenzapfen sind mit Schnee verziert.
Kerzen warten auf den Lichter-Reigen.
Vollbeladne Äste sacht sich neigen,
Zuckerwerk hängt dran, das bunt verführt.
Kugeln glänzen zwischen grünen Zweigen.
Papi musste auf die Leiter steigen,
hat die Christbaumspitze dort montiert.
Kerzen warten auf den Lichter-Reigen.
Heut wird er in aller Pracht sich zeigen,
den als schönsten Baum wir heimgeführt.
Kugeln glänzen zwischen grünen Zweigen!
Zauberduft von Datteln, Zimt und Feigen
hat die Kindernasen längst berührt.
Kerzen warten auf den Lichter-Reigen.
Bald ist ihnen warmer Schein zueigen,
wird im Lied der Tannenbaum gekürt.
Kugeln glänzen zwischen grünen Zweigen,
Kerzen warten auf den Lichter-Reigen.
.tannenbaum-gedicht/advent-gedicht/weihnachts-gedicht: die amelie ´11
.bild: Holzschnitt: The Christmas Tree. 1870. John Whetten Ehninger, 1827–1889
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Mittwoch, 30. November 2011
Gespenster raus!
Immer früher wirds vor Fenstern
winters finster, was Gespenstern
außerordentlich gefällt.
Stehn zum Spuk schon angestellt,

dich mit Heulen zu erschrecken.
Mit 'nem "Buh!" aus dunklen Ecken
oder lautem Kettenrasseln,
manchmal auch mit Kellerasseln,
die sie über Wände schicken,
dabei kichern voll Entzücken.
Und mit Grigragruselhall
tönt ihr Geistgewuselschall.
Doch dich lässt das völlig kalt,
denn du hast ein Schild gemalt.
Darauf steht "Gespenster raus!
Das ist nämlich unser Haus!"
Wie es scheint, hat's auch geklappt:
sie sind alle fortgetappt.
Nur ein "Och!" hast du gehört,
als die Meute sich beschwert.
.gespenster-gedicht/geister-gedicht: die amelie `11
.bild: Ignorance and Want, Holzschnitt — aus "A Christmas Carol" von Charles Dickens (1812 - 1870), John Leech, 1817 bis 1864)
winters finster, was Gespenstern
außerordentlich gefällt.
Stehn zum Spuk schon angestellt,

dich mit Heulen zu erschrecken.
Mit 'nem "Buh!" aus dunklen Ecken
oder lautem Kettenrasseln,
manchmal auch mit Kellerasseln,
die sie über Wände schicken,
dabei kichern voll Entzücken.
Und mit Grigragruselhall
tönt ihr Geistgewuselschall.
Doch dich lässt das völlig kalt,
denn du hast ein Schild gemalt.
Darauf steht "Gespenster raus!
Das ist nämlich unser Haus!"
Wie es scheint, hat's auch geklappt:
sie sind alle fortgetappt.
Nur ein "Och!" hast du gehört,
als die Meute sich beschwert.
.gespenster-gedicht/geister-gedicht: die amelie `11
.bild: Ignorance and Want, Holzschnitt — aus "A Christmas Carol" von Charles Dickens (1812 - 1870), John Leech, 1817 bis 1864)
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Mut
Samstag, 26. November 2011
Die stillste Zeit von allen
schickt seinen Geruch voraus,
lässt den Windboten die Schwingen
breiten, ihn zu überbringen.
Schon fasst Reif mit Eiskristallen
letzte Blätter zu Juwelen,
breitet Glitzern, feines Funkeln
übers Land, ganz sacht im Dunkeln.
Bald werden leis Flocken fallen,
die Natur in Schlaf zu betten,
um Konturen weich zu malen
für die stillste Zeit
von allen.
.winter-gedicht/schnee-gedicht/advent-gedicht: die amelie ´11
.foto: die amelie `11
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Wind und Wetter,
Winter
Mittwoch, 16. November 2011
Erstes Weihnachtsahnen
Nebelschwaden, schwer beladen
mit des Winters Luftvorboten
liegen über stillem Wasser,
ziehen Schleier zwischen Booten.
Flattern erst, dann Silhouetten:
Enten landen, schnattern leise.
Wellen plätschern gegen Plätten,
Herbstlaub treibt zur letzten Reise.
Ausgeblendet hinterm Ufer:
Häuser, grau in grau und kahl.
Nebelhorn als Schiffes Rufer
tönt noch ferne vom Kanal.
Raureif überzieht die Gräser,
taucht das Schilf in Frostigweiß.
Dunst legt sich auf Fenstergläser
als der Wärme Siegbeweis.
Dunkelheit erobert träge,
dennoch unablässig Raum,
taucht in Finsternis die Wege
samt Gesträuch an deren Saum.
Becher wärmen klamme Hände,
randgefüllt mit heißem Punsch.
Offene Adventmarktstände
wecken ersten Weihnachtswunsch.
Vogelstimmen sind verklungen.
Nur in Schwärmen krächzen Raben.
Bald wird selbst im Haus gesungen,
liegen unterm Christbaum Gaben.
.weihnachts-gedicht/novembergedicht/nebelgedicht/wintergedicht: die amelie `11
mit des Winters Luftvorboten
liegen über stillem Wasser,
ziehen Schleier zwischen Booten.
Flattern erst, dann Silhouetten:
Enten landen, schnattern leise.
Wellen plätschern gegen Plätten,
Herbstlaub treibt zur letzten Reise.
Ausgeblendet hinterm Ufer:
Häuser, grau in grau und kahl.
Nebelhorn als Schiffes Rufer
tönt noch ferne vom Kanal.
Raureif überzieht die Gräser,
taucht das Schilf in Frostigweiß.
Dunst legt sich auf Fenstergläser
als der Wärme Siegbeweis.
Dunkelheit erobert träge,
dennoch unablässig Raum,
taucht in Finsternis die Wege
samt Gesträuch an deren Saum.
Becher wärmen klamme Hände,
randgefüllt mit heißem Punsch.
Offene Adventmarktstände
wecken ersten Weihnachtswunsch.
Vogelstimmen sind verklungen.
Nur in Schwärmen krächzen Raben.
Bald wird selbst im Haus gesungen,
liegen unterm Christbaum Gaben.
.weihnachts-gedicht/novembergedicht/nebelgedicht/wintergedicht: die amelie `11
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Winter
Donnerstag, 27. Oktober 2011
Franz Weberknechts Beinah-Schikarriere
Am Beckenrand Franz Weberknecht
meint "Heut' wär mir Kleber recht!
Glitschig ist es ringsumher.
Wenn bloß rechts- und linksrum wär
Halt, an dem ich könnte kraxeln.
Recht geschieht mir: Haxen wachseln -
wie kam ich auf die Idee?
Mag ich doch gar keinen Schnee!
Sitz nun zwischen Spülschaum-Riffen.
Wenn doch nur die Beine griffen,
anstatt ständig abzugleiten!
Ach, wo sind sie hin, die Zeiten,
als Herr Heinz, bei dem ich wohne,
sich nicht scherte eine Bohne
um gespültes Essbesteck?
Mist! Ich komm hier nicht vom Fleck!
Ständig rutsch ich ab von Rändern.
Werd mein Schicksal nicht mehr ändern.
Und es ist zum Bein-Ausraufen:
ich muss elend hier ersaufen!"
Plötzlich - Kreischen, menschlich, nah.
Herrn Heinz' Freundin ist wohl da.
Hat Franz Weberknecht entdeckt
und dem Freund das gleich gesteckt.
Dieser hievt, dem Weib zuliebe,
Franz aus nassem Nudelsiebe.
Bringt ihn raus, bis vor die Tür.
Heut noch dankt ihm Franz dafür.
.weberknechtgedicht/geschirrspülgedicht/tiergedicht: die amelie ´11
.bildbearbeitung: die amelie ´11
meint "Heut' wär mir Kleber recht!
Glitschig ist es ringsumher.
Wenn bloß rechts- und linksrum wär
Halt, an dem ich könnte kraxeln.
Recht geschieht mir: Haxen wachseln -
wie kam ich auf die Idee?
Mag ich doch gar keinen Schnee!
Sitz nun zwischen Spülschaum-Riffen.
Wenn doch nur die Beine griffen,
anstatt ständig abzugleiten!
Ach, wo sind sie hin, die Zeiten,
als Herr Heinz, bei dem ich wohne,
sich nicht scherte eine Bohne
um gespültes Essbesteck?
Mist! Ich komm hier nicht vom Fleck!
Ständig rutsch ich ab von Rändern.
Werd mein Schicksal nicht mehr ändern.
Und es ist zum Bein-Ausraufen:
ich muss elend hier ersaufen!"
Plötzlich - Kreischen, menschlich, nah.
Herrn Heinz' Freundin ist wohl da.
Hat Franz Weberknecht entdeckt
und dem Freund das gleich gesteckt.
Dieser hievt, dem Weib zuliebe,
Franz aus nassem Nudelsiebe.
Bringt ihn raus, bis vor die Tür.
Heut noch dankt ihm Franz dafür.
.weberknechtgedicht/geschirrspülgedicht/tiergedicht: die amelie ´11
.bildbearbeitung: die amelie ´11
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Mittwoch, 28. September 2011
Herbstbastelei
Endlich ist's wieder so weit!
Herbst find ich 'ne tolle Zeit:
Blätter, farbenfroh und bunt,
Nüsse, glänzend, braun und rund,
Äste, Tannenzapfen, Wurzeln,
Beeren, die zu Boden purzeln.
Reich bepackt komm ich nach Haus,
pack dort meine Schätze aus.
Eichelfrüchte werden Köpfe,
deren Hütchen Teller, Näpfe,
Kappen für manch' Zwergenhaupt.
Watte hab ich auch geraubt
(aus dem Bad, für Rauschebärte).
Mama, die sich nicht beschwerte,
gab gleich Klebstoff mit dazu,
Kaffeebohnen für die Schuh.
Noch den Knotenbohrer - dann
fange ich zu basteln an.
Zahnstocher sind Arme, Beine
und aus Wolle flecht ich kleine,
braune Zöpfe, kleb sie dann
auf dem ersten Köpfchen an.
Mit der Schere, schnippeschnapp,
schneid ich allen Röckchen ab
vom Geschenkpapiere-Rest,
den man mir gern überlässt!
Schwarze Augen steck ich dran.
Seh zuletzt mein Werk mir an:
Mama und Kusine Jana,
die hat 'nen Papierpyjama.
Oma - ist doch sonnenklar! -
trägt ihr kurzes, weißes Haar.
Opa, den erkennt man auch:
am Kastanienkugelbauch!
Papa wirkt wie stets - apart -
mit Dreivierfünftagebart.
Eine Eichel kriegt vier Beine,
Streichholzschwanz und Nähgarn-Leine.
Kopf wird eine Haselnuss,
Hundeohrn drauf. Dann ist Schluss!
Mutti malt mit Nagellack
allen rote Bäckchen. Zack!
Seht, da stehn sie, meine Lieben.
Huch - wo bin denn ich geblieben?!
.text: herbst-gedicht/bastel-gedicht/herbstbastel-gedicht: die amelie `11
.bild: "Herbstzeitlose", Anna Lachmann, 1947. In: Mein buntes Jahr.
Herbst find ich 'ne tolle Zeit:
Blätter, farbenfroh und bunt,
Nüsse, glänzend, braun und rund,
Äste, Tannenzapfen, Wurzeln,
Beeren, die zu Boden purzeln.
Reich bepackt komm ich nach Haus,
pack dort meine Schätze aus.
Eichelfrüchte werden Köpfe,
deren Hütchen Teller, Näpfe,
Kappen für manch' Zwergenhaupt.
Watte hab ich auch geraubt
(aus dem Bad, für Rauschebärte).
Mama, die sich nicht beschwerte,
gab gleich Klebstoff mit dazu,
Kaffeebohnen für die Schuh.
Noch den Knotenbohrer - dann
fange ich zu basteln an.
Zahnstocher sind Arme, Beine
und aus Wolle flecht ich kleine,
braune Zöpfe, kleb sie dann
auf dem ersten Köpfchen an.
Mit der Schere, schnippeschnapp,
schneid ich allen Röckchen ab
vom Geschenkpapiere-Rest,
den man mir gern überlässt!
Schwarze Augen steck ich dran.
Seh zuletzt mein Werk mir an:
Mama und Kusine Jana,
die hat 'nen Papierpyjama.
Oma - ist doch sonnenklar! -
trägt ihr kurzes, weißes Haar.
Opa, den erkennt man auch:
am Kastanienkugelbauch!
Papa wirkt wie stets - apart -
mit Dreivierfünftagebart.
Eine Eichel kriegt vier Beine,
Streichholzschwanz und Nähgarn-Leine.
Kopf wird eine Haselnuss,
Hundeohrn drauf. Dann ist Schluss!
Mutti malt mit Nagellack
allen rote Bäckchen. Zack!
Seht, da stehn sie, meine Lieben.
Huch - wo bin denn ich geblieben?!
.text: herbst-gedicht/bastel-gedicht/herbstbastel-gedicht: die amelie `11
.bild: "Herbstzeitlose", Anna Lachmann, 1947. In: Mein buntes Jahr.
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Montag, 2. Mai 2011
Das Puppenhäuschen
Sieh doch mal: ein Herrenhäuschen!
Was meinst du? Wer wohnt wohl hier?
Reiche Leute, Hund und Kinder?
Butler, Köchin - aus Papier?
Winzigklein sind Tür'n und Fenster,
Treppen Millimeter hoch,
fingernagelgroß die Pfannen
für den Zwergenküchenkoch.
Wie klein sind dann erst die Eier,
die man dort zum Backen braucht?
Und die Hühner, die sie legen -
sieht man die mit freiem Aug?
Stellst dir vor, 's wär dein Zuhause!
Selber wärst du nicht recht groß:
einen Zentimeter Zwanzig.
Nicht gerade ein Koloss.
Plötzlich - eine Hand von oben,
riesengroß, greift nach dem Dach!
Und es dröhnt wie Donnergrollen:
"Guck, das Häuschen! Niedlich! Ach!"
In dein Zimmer blickt ein Auge,
groß wie eine Straßenbahn.
Sieht sich Möbel, Türen, Wände
und auch dich genauer an.
Hoch empor wirst du gehoben.
Alles wackelt, zittert, schwankt.
Aber halt! Du selbst bist's, der sich
all das vorstellt. Gott sei Dank!
.puppenhaus-gedicht/riesen-zwergen-gedicht: die amelie `11
.fotos und puppenhaus: die amelie, nach einem bastelbogen aus dem "Illusteret Familie Journal", einer Zeitschrift mit Bastelbögen für die ganze Familie in den Jahren um 1920
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Montag, 11. April 2011
Der Quastenflosser
Ein Flosser lebte einst in Qual:
er fand sein Leben öd und schal
tief drunten auf dem Meeresgrund
als lebender Fossilienfund.
So hatte er zwar Ruhm erworben,
da man ihn hielt für ausgestorben.
Doch änderte das nichts daran,
dass ihn oft Trübsal überkam,
da außer Flossen - und zwar satte
zehn - er nichts zu bieten hatte.
So fand er selbst - und dies nicht gut.
Er sehnte sich nach Übermut.
Und so beschloss er mit koketten
Modedetails sich aufzupeppen.
Denn passt es erst mal äußerlich,
stimmt der Esprit auch unterm Strich!
Doch wie setzt man sich recht in Szene?
Mit Bommeln, Halstuch, Löwenmähne?
Was passt bloß zu 'nem Flossentyp?
Wodurch wirkt der erst richtig hip?
Nach langem Testen und auch Fluchen
war endlich Ende mit dem Suchen:
nun trägt er einen Flossenquast,
der ihm wie angegossen passt!
.quastenflosser-gedicht/fossilien-gedicht/fisch-gedicht: die amelie ´11
.bild: Marjorie Courtenay Latimer (damals Leiterin des Meeresmuseums im südafrikanischen East London) mit dem ersten wiederentdeckten nicht-fossilen Quastenflosser von 1938, quelle: wiki visual
er fand sein Leben öd und schal
tief drunten auf dem Meeresgrund
als lebender Fossilienfund.
So hatte er zwar Ruhm erworben,
da man ihn hielt für ausgestorben.
Doch änderte das nichts daran,
dass ihn oft Trübsal überkam,
da außer Flossen - und zwar satte
zehn - er nichts zu bieten hatte.
So fand er selbst - und dies nicht gut.
Er sehnte sich nach Übermut.
Und so beschloss er mit koketten
Modedetails sich aufzupeppen.
Denn passt es erst mal äußerlich,
stimmt der Esprit auch unterm Strich!
Doch wie setzt man sich recht in Szene?
Mit Bommeln, Halstuch, Löwenmähne?
Was passt bloß zu 'nem Flossentyp?
Wodurch wirkt der erst richtig hip?
Nach langem Testen und auch Fluchen
war endlich Ende mit dem Suchen:
nun trägt er einen Flossenquast,
der ihm wie angegossen passt!
.quastenflosser-gedicht/fossilien-gedicht/fisch-gedicht: die amelie ´11
.bild: Marjorie Courtenay Latimer (damals Leiterin des Meeresmuseums im südafrikanischen East London) mit dem ersten wiederentdeckten nicht-fossilen Quastenflosser von 1938, quelle: wiki visual
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