Sonntag, 22. Mai 2016

Der Dichter im Hochsommer


Jetzt, wo die Tage endlich wieder längern,
und auch die Sonnenstrahlen schon so richtig sengern,
da wird das Gassi-gehen zum Sich-schleppern,
denn bloß die Menschen können sich (halbwegs) entblättern.

Wenn rosa Zungen weit aus Hunderachen hängern,
und Schlurfer werden aus sonst flotten Gängern,
man sich vom einen Schatten bis zum nächsten tastert
und ärgert, dass so viel betongepflastert,

wenn Vögel nur mehr brummen, statt zu zwitschen,
die Hummeln träge gegen Blüten ditschen,
wenn du beim Dichten Wörter fantasievoll beugerst
und sehnsuchtsvoll nach Kaltgetränken äugerst,

wenn du dir wünschst, du könntest nächtens schwebend schlafen,
dann macht der Sommer dir schon voll zu schaffen!





Gedicht: die amelie, 2011

Sonntag, 2. Februar 2014

Wovon Hunde träumen



Wovon, glaubst du, träumen Hunde?
Von der Lieblings-Ausgangs-Runde?
Schwarzen Raben, sie zu jagen?
Oder gar von Hunde-Plagen

wie Befehlen "Sitz!" und "Platz!"?
Oder Nachbars schwarzer Katz?
Dicken, großen Rinderknochen?
Fleisch, das runterfiel beim Kochen?

Oder flitzen sie im Traum
pfeilschnell rund um jeden Baum?
Hügel rauf, hinunter, rauf,
lang gestreckt in vollem Lauf?

Ganz gewiss weiß ich es nicht,
weil mein Hund nicht mit mir spricht.
Doch ich seh die Beine zucken
und die Augenlider rucken

wenn mein Fellgefährte schläft.
Manchmal wird sogar gekläfft.
Leise nur, weil halt im Traum.
Dort sitzt grad die Katz im Baum,

macht 'nen Buckel, faucht und lacht -
ups, dann lieber aufgewacht! 





.hunde-gedicht: die amelie, 2014
.hunde-illustration: die amelie, 2014

Montag, 23. Dezember 2013

Frohe Weihnachten und guten Rutsch ins neue Jahr!


Unseren lieben, treuen Lesern (und natürlich auch allen neuen) wünschen wir ein frohes Fest und alles Gute für 2014!

Bert und Amelie

Montag, 16. Dezember 2013

Väterchen Wind

Väterchen Wind, du Winterbringer,
stichst wie mit Nadeln in die Finger,
fährst kalt und klamm in manchen Kragen,
malst Eisblumen mir auf den Wagen,

wehst eisig weiter über Felder,
spielst Harfe, streifst du durch die Wälder,
bringst ersten Duft von Schnee und Eis
mit Vorahnung von kaltem Weiß.

Doch bald schon trägst du's wieder fort,
bringst Luft von einem wärmren Ort,
befreist die Blümlein unterm Schnee
und schmilzt das Eis vom Badesee,

lässt dann im Sommer Schifflein flitzen,
beim Wellenkräuseln Sonne blitzen,
nimmst mir im Herbst den Drachen mit
an langer Leine auf 'nen Ritt.

Und bald beginnt das Spiel von vorn -
stichst du die Haut als kalter Dorn.
Dann weiß ich: Wind, du guter Mann,
du ziehst dem Jahr die Zeiten an!


text: die amelie,  Dez. 2013

Dienstag, 23. Oktober 2012

Hexenstunk und Zaubertrank

In der Hexenwohngemeinschaft gibt es diesmal großen Stunk.
Durch ein Missgeschick verdorben war der letzte Hexentrunk,
weshalb dieser - heftig blubbernd - unerträglich grässlich stank
und von diesem "Dufte" mancher ohnmächtig zu Boden sank.

Ann-Marie und Dörte meinten, dies wär Margaretes Schuld,
hatte diese doch beim Brauen ihres Tranks voll Ungeduld
jenes Etikett verwechselt, welches auf des Kelches Grund
"Nasenhaare eines Elches" angezeigt, die ungesund

und vor allen Dingen gänzlich, unsagbar und grausig scharf.
Weshalb man des Trankes Reste hinters Haus zum Restmüll warf.
Dies fand Margarete schade und vor allem ungerecht.
Fand sie doch, er war als Mittel gegen Schaben gar nicht schlecht.

Und so schmollen alle dreie schon seit Tagen stur und stumm.
Sprechen nicht mehr, sondern werfen bloß mit bösen Blicken rum.
Könnten diese wirklich töten, bräucht es dazu keinen Trank.
Nichtmal den von Margarete, der so grässlich hässlich stank!









.hexen-gedicht/zauber-gedicht: die amelie '12
.illustration: die amelie '12

Montag, 24. September 2012

Wenn im Herbst...

Wenn im Herbst die kecken Schnecken
kriechen unter Blätterdecken,
wolln sie sich vorm Frost verstecken!

Laub wird bunt, geht auf die Reise,
fällt zu Boden, sanft und leise.
Hör, es raschelt - eine Meise!

Eichkätzchen gehn Eicheln horten
an ganz viel verschiednen Orten.
Winter steht bald vor den Pforten!

Letzte Glut in Sonnenstrahlen
will rot-goldne Wälder malen.
Sieh - die Bäume, die fast kahlen!

Wenn im Herbst Kastanien fallen,
braun und glänzend dir gefallen,
ist's die schönste Zeit von allen!




.herbst-gedicht/wald-gedicht/natur-gedicht: die amelie '12
.bild: die amelie '12

Dienstag, 10. April 2012

Berta Bauers Bürde

(ein Stabreim-Gedicht)


Berta Bauer, blond, mit Brille,
hasst Hans-Holgers Haupt und Haar.
Rot trotzt Ringellockenfülle
Kamm und Kappe. Knabenhaar,
viel zu füllig, fein und fluffig,
unverdient, fiel an den Feind,
Kringel, köstlich klein und knuffig,
Schönheit, die Verschwendung scheint,
höhnt voll Häme Haar, das halblang,
grad, zum Gähnen grässlich glatt
Berta Bauer, blond, mit Brille,
hoch am hellen Haupte hat.





.stabreim-gedicht/haar-gedicht/frisuren-gedicht: die amelie ´12

Freitag, 6. April 2012

Spuk-Pantum

Der Uhu tut es kund:
"Schuhuu! Mein Kind, schuhuu!
Es schlug zur Geisterstund.
Ein End hats mit der Ruh!"

"Schuhuu! Mein Kind, schuhuu!"
so hallt es durch den Wald.
Du hältst die Ohren zu
und Schatten wird Gestalt.

So hallt es durch den Wald,
bis eins die Turmuhr schlägt.
Und Schatten wird Gestalt,
wo 's im Gehölz sich regt.

Bis eins die Turmuhr schlägt,
da tanzen Elben Reigen.
Wo 's im Gehölz sich regt,
wolln sie ihr Spielchen treiben.

Da tanzen Elben Reigen -
mit Wurzelwicht und Gnom
wolln sie ihr Spielchen treiben
in düstrem Monochrom.

Mit Wurzelwicht und Gnom
da spukt es sich famos!
In düstrem Monochrom
auf Waldes weichem Moos.

Da spukt es sich famos -
dir stehn die Haar zu Berge!
Auf Waldes weichem Moos
siehst Geister du und Zwerge.

Dir stehn die Haar zu Berge:
wild spukts! Im finstren Tann
siehst Geister du und Zwerge.
Nun schlägt es eins - getan!

Wild spukts im finstren Tann.
Es schlug zur Geisterstund.
Nun schlägt es eins - getan!
Der Uhu tut es kund.





.grusel-gedicht/uhu-gedicht/wald-gedicht: die amelie ´12
.bild: Louis Agassiz Fuertes, "Eastern Screech Owl", 1919

Montag, 23. Januar 2012

Ein Zauberer mit Namen Frost

Kriecht Winterluft an Nas' und Zeh'n,
spürt man die Atemluft gefrieren,
von Norden kalte Winde weh'n,
woll'n Wolken weiße Fracht verlieren.

Spürt man die Atemluft gefrieren,
fahr'n Kinder Schlittschuh auf dem Teich,
woll'n Wolken weiße Fracht verlieren,
herrscht Zaubrer Frost über das Reich.

Fahr'n Kinder Schlittschuh auf dem Teich,
wenn Krähen kahle Bäume zieren,
herrscht Zaubrer Frost über das Reich,
geh'n Menschen dicht vermummt spazieren.

Wenn Krähen kahle Bäume zieren,
von Norden kalte Winde weh'n,
geh'n Menschen dicht vermummt spazieren,
kriecht Winterluft an Nas' und Zeh'n.





.pantun / pantum /winter-gedicht/frost-gedicht/schnee-gedicht: die amelie ´12
.bild: "Winterlandschaft mit Eisläufern und Vogelfalle", 1601, Pieter Brueghel der Ältere

Mein Hund

Auf meinem Schoß,
da liegt mein Hund.
Er macht sich breit,
er macht sich rund.

Er seufzt ganz tief
voller Behagen,
versucht im Traum
ein Reh zu jagen.

Ich streich bedächtig
durch sein Fell,
das ist so flauschig,
dicht und hell.

Dann kraul ich sacht
hinter den Ohren,
zum Ohrenkrauler
auserkoren.

Ich wage kaum
mich zu bewegen,
um meinen Hund
nicht zu erregen.

Und seh ich
wie er selig schläft,
verkneif ich mir
auch mein Geschäft.

So liegt er da
und ich finds fein.
Mir schlafen bloß
die Füße ein...




.hunde-gedicht/haustier-gedicht/tier-gedicht: die amelie ´12
foto: die amelie

Samstag, 31. Dezember 2011

Prosit Neujahr!



Liebe Leser, groß und klein,
rutscht gut ins neue Jahr hinein!



Bert und Amelie sagen Danke für ein weiteres Jahr treuen Lesens und wünschen für 2012 nur das Beste!

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Grauselett

(frei nach Christian Morgenstern)


Was raschelt und knackt da im Unterholz?
Wes Schlund wird mich hinter der Hecke zaustern?
Und gutzt nicht grad grausig der düstere Golz?
Welch Schatten seh ich dort im Mondlicht plaustern?

Vom Sumpf das Gequak fieser Flotterschlömpe,
gleich pfeifen die Würmer die Geisterstund ein!
Am Waldrand Getrampel der Warzbrandgrömpe -
Ok. Das genügt mir. Auch ich renn jetzt. Heim!





.grusel-gedicht/wortspiel-gedicht/sprachbastel-gedicht: die amelie `11
.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Willibald Palander und der Feuersalamander

Im Wald traf jüngstens Willibald Palander
beim Wandern einen Feuersalamander.
Und als der dann auch noch ganz menschlich sprach,
da staunte Willibald und sagte "Ach!

Welch Zauberspruch verlieh dir diese Gabe?
Bist du verhext? Und ist's dann auch der Rabe,
der mich zuvor am Wegkreuz streng beäugte,
in mir ein leises Schaudern so erzeugte?

Wohin bin ich denn heute bloß geraten?
Land' ich womöglich noch als Sonntagsbraten
im Ofen einer Hexe, die hier wohnt?
Ich hoffe doch, ich werd von ihr verschont!"

So bangt und überlegt der Willibald
bei sich und tönt laut plappernd durch den Wald.
Bis sich der Salamander dann erbarmt
und mit erhobnem Fingerchen entwarnt:

"Jetzt komm mal wieder runter, Wandersmann!
Hier wurd noch keiner Seele was getan.
Und würdest du nicht selber endlos reden,
dann könnt ich endlich dir den Ratschlag geben,

dass du am letzten Weg falsch abgebogen
und dir zwei linke Schuhe angezogen."
Der Willibald verstummt und guckt nach unten
und schweigt zum ersten Mal seit vielen Stunden.

Es hat der Salamander nämlich recht.
Jetzt weiß er auch, warum er heut so schlecht
gelaufen ist, schon seit er aufgebrochen.
Hat er bereits beim Schuh-Anziehn gesprochen!

Mit sich - wie er es nun mal ständig tut.
Doch wie er sieht, tut das nicht immer gut.
Zum Dank gelobt er drum dem Salamander:
"Ab heut ist Ruh! So wahr ich heiß Palander!"



 
.salamander-gedicht/wander-gedicht/wald-gedicht: die amelie ´11
.foto: Brian Gratwicke, 2009, wikimedia commons

Freitag, 2. Dezember 2011

Oh, Tannenbaum - Vorfreude!









































Kugeln glänzen zwischen grünen Zweigen,
 Tannenzapfen sind mit Schnee verziert.
 Kerzen warten auf den Lichter-Reigen.

 Vollbeladne Äste sacht sich neigen,
 Zuckerwerk hängt dran, das bunt verführt.
 Kugeln glänzen zwischen grünen Zweigen.

 Papi musste auf die Leiter steigen,
 hat die Christbaumspitze dort montiert.
 Kerzen warten auf den Lichter-Reigen.

 Heut wird er in aller Pracht sich zeigen,
 den als schönsten Baum wir heimgeführt.
 Kugeln glänzen zwischen grünen Zweigen!

 Zauberduft von Datteln, Zimt und Feigen
 hat die Kindernasen längst berührt.
 Kerzen warten auf den Lichter-Reigen.

 Bald ist ihnen warmer Schein zueigen,
 wird im Lied der Tannenbaum gekürt.
 Kugeln glänzen zwischen grünen Zweigen,
 Kerzen warten auf den Lichter-Reigen.





.tannenbaum-gedicht/advent-gedicht/weihnachts-gedicht: die amelie ´11
.bild: Holzschnitt: The Christmas Tree. 1870. John Whetten Ehninger, 1827–1889

Mittwoch, 30. November 2011

Gespenster raus!

Immer früher wirds vor Fenstern
winters finster, was Gespenstern
außerordentlich gefällt.
Stehn zum Spuk schon angestellt,

dich mit Heulen zu erschrecken.
Mit 'nem "Buh!" aus dunklen Ecken
oder lautem Kettenrasseln,
manchmal auch mit Kellerasseln,

die sie über Wände schicken,
dabei kichern voll Entzücken.
Und mit Grigragruselhall
tönt ihr Geistgewuselschall.

Doch dich lässt das völlig kalt,
denn du hast ein Schild gemalt.
Darauf steht "Gespenster raus!
Das ist nämlich unser Haus!"

Wie es scheint, hat's auch geklappt:
sie sind alle fortgetappt.
Nur ein "Och!" hast du gehört,
als die Meute sich beschwert.







.gespenster-gedicht/geister-gedicht: die amelie `11
.bild: Ignorance and Want, Holzschnitt — aus "A Christmas Carol" von Charles Dickens (1812 - 1870), John Leech, 1817 bis 1864)
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