Donnerstag, 17. Dezember 2009

KLEIN & groß



















Stell dir vor, du wärst Gigant,
stiegst über den Erdenrand,

so als wär sie Murmel-klein
und du selbst im All allein.

Knipps die Sonne an und aus.
Pick dir Funkelsterne raus.

Lock den Mond aus dunklen Ecken,
sonst kann man ihn nicht entdecken!

Du, als Riese, gib gut Acht!
Setz die Tritte mit Bedacht,

sonst zerquetscht du noch zum Schluss
Welten leicht wie eine Nuss!

Viel steckt auch im Winzigkleinen,
auch wenn's anders dir mag scheinen!





.weltall-gedicht/riesen-gedicht/großundklein-gedicht: die amelie ´ 09
.bild und fotobearbeitung: die amelie ´ 09

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Winta-Weihnåcht


(Weihnachts-Pantum in Mundart)



De Gsichta stroin im Lichtaglaunz,
drausd wüabön eiskristoine Flockn.
Vier Kerzln flackan aufm Kraunz,
daweu mia drent beinaundahockn.

Drausd wüabön eiskristoine Flockn
vur augrennt koide Butznscheibm,
daweu mia drent beinaundahockn,
daun liaba in da Stubm bleibm.

Vur augrennt koide Butznscheibm
heascht Winta - koid und tiaf! Waaßt eh!
Daun liaba in da Stubm bleibm,
beim Ofnfeia, woam und schee!

Heascht Winta - koid und tiaf! Waaßt eh! -
schlofd untam Schnee da gaunze Woid.
Beim Ofnfeia, woam und schee,
gfrei ma uns: es is Weihnåcht boid!

Schlofd untam Schnee da gaunze Woid,
vier Kerzln flackan aufm Kraunz -
gfrei ma uns: es is Weihnåcht boid!
De Gsichta stroin im Lichtaglaunz.





.mundartgedicht/weihnachtsgedicht/pantum: die amelie ´ 09
.bild: Adolph Tiedemand, 1846, "Weihnachtsbräuche in Norwegen"

Freitag, 27. November 2009

Unter Fischen

Schau, da kommen sie geschossen,
pfeilschnell durch das weite Meer!
Rudern eifrig mit den Flossen,
schwimmen dicht an dicht umher.

Ändern blitzgeschwind die Richtung
(auf Kommando? Doch von wem!?)
bei der kleinsten Feindessichtung -
Anführer sind nicht zu sehn.

Von der Flosse bis zum Kopf
gleicht ein Fischchen hier dem andern.
Drum ist keins ein eitler Tropf.
Sieh sie mit der Strömung wandern!

Doch – Moment! - hast du verglichen?
Sind sie wirklich alle gleich?
Einer hat sich eingeschlichen
mitten in des Schwarmes Reich!

Leuchtet fröhlich rot hervor,
ist nun nicht mehr so allein.
Singt gern mit im Blubber-Chor.
Will einer von vielen sein!























.fischgedicht/dazu-gehören-gedicht/freundschaftsgedicht: die amelie ´ 09
.druck: georg n. (6), sohn von "die amelie", ´ 09

Mittwoch, 25. November 2009

Winter-Weihnacht


(ein Pantum)


Gesichter, froh im Lichterglanz!
Es wirbeln eiskristallne Flocken.
Vier Kerzen flackern auf dem Kranz,
derweil wir dicht beisammenhocken.

Es wirbeln eiskristallne Flocken
vor angelaufner Butzenscheibe,
derweil wir dicht beisammenhocken
in unsrer feinen, warmen Bleibe.

Vor angelaufner Butzenscheibe
herrscht Winter, eisig, seidigweiß.
In unsrer feinen, warmen Bleibe
wärmt Ofenfeuer, knackend heiß.

Herrscht Winter, eisig, seidigweiß,
schläft unter tiefem Schnee der Wald,
wärmt Ofenfeuer, knackend heiß,
ahnt man bereits: 's ist Weihnacht bald!

Schläft unter tiefem Schnee der Wald,
vier Kerzen flackern auf dem Kranz,
ahnt man bereits: 's ist Weihnacht bald.
Gesichter, froh im Lichterglanz!







.pantum/weihnachtsgedicht/adventgedicht und foto: die amelie ´ 09

Sonntag, 22. November 2009

Anne und das Holzschaf


(ein Weihnachtsgedicht)


Anne ist heut aufgeregt,
schlechte Laune weggefegt,
denn es ist wieder so weit:
Heilig Abend macht sich breit!

Fest in Omas Arm gehakt
geht es auf den Weihnachtsmarkt.
Dass es winters so früh dunkelt
freut sie sonst nicht. Doch heut funkelt

was nur kann im Kerzenlicht!
Weihnachtsleuchten im Gesicht
wandern sie von Stand zu Stand
und bestaunen allerhand.

Anne freut sich ganz besonders
auf die Krippen von Herrn Gonders:
aufgestellt, kaum ist's Advent!
Und ein jeder, der sie kennt,

hat es sich zur Pflicht gemacht
alle Jahr zur Heilgen Nacht
eines von Herrn Gonders Schafen
einem ganz besonders braven

Kind unter den Baum zu legen.
Dies als Weihnachtsbrauch zu pflegen.
„Sind zwar nur aus Holz geschnitzt“
sagt Herr Gonders gern verschmitzt,

„doch manchmal, wenn sie da stehen,
glaub ich selbst, ich könnte sehen,
wie sie mit den Ohren schlenkern,
mäh-hend mit den andern stänkern,

dass beim alten Opa Gonders
die Verpflegung nicht besonders.
Meine Schafe, musst du wissen,
grasen nicht auf grünen Wiesen

und nicht auf der Tischlerbank.
Darum würden sie auch krank,
kaufte sie nicht ganz geschwind
jemand für ein braves Kind!

Denn ein jedes meiner Lämmchen
lebt vom Schein der Kerzenflämmchen
und von hellem Kinderlachen,
wie's nur Freude kann entfachen.“

„Weiß ich doch! Ich hab schon eins.
Und sein Name ist Karl-Heinz!“
unterbricht ihn Anne stolz.
„Ist denn so ein Schaf aus Holz“

mischt sich Oma leise ein,
„nicht ganz fürchterlich allein?
Das da drüben, bitte sehr,
sieht die ganze Zeit schon her.“

„Ach. Sie meinen Anneliese,
da, ganz hinten auf der Wiese?
Stimmt. Sie hat hierhergesehen
seit Sie beide bei mir stehen.

Anne hat's ihr angetan.
Das sieht wohl ein jedermann.“
„Na, was denkst du, meint Karl-Heinz,
stell'n wir heuer noch so eins

zu der Krippe unterm Baum?
Anne, der wird aber schau'n!“
meint nun Oma, „das wird fein:
keiner muss dann einsam sein!“

Anne hört schon nicht mehr hin,
muss sich angestrengt bemüh'n,
nicht zu blinzeln, sie könnt schwör'n
dass gerade war zu hör'n

leises Blöken von der Wiese.
Dort, aus Richtung Anneliese!
„Packen Sie sie gar nicht ein.
Ich trag sie im Fäustling heim“

flüstert Anne. Oma lacht.
Und Herr Gonders reicht ganz sacht
Anne nun das kleine Schaf.
Mahnt es noch: „sei mir bloß brav!“

Oma zahlt, dann geht’s nach Haus.
Fröhlich seh'n sie alle aus:
Oma, Anneliese, Anne
und Karl-Heinz unter der Tanne!




.weihnachtsgedicht/krippengedicht/weihnachtslammgedicht/adventmarktgedicht: die amelie ´ 09
.ölgemälde: "Miss Frances Warren", Joseph Wright of Derby, 1763

Mittwoch, 18. November 2009

Vergurktes Märchen-Gemurks

Ein Ritter reitet.
Der König schreitet.
Die Elfe schwebt.
Das Rehlein bebt.

So ist das halt -
jede Gestalt
im Märchenland
wird so erkannt.

Stell dir nur vor,
es wär verdreht!
Dann wüsst man nie,
worum es geht:

der Ritter bebt,
ein König schwebt,
das Rehlein reitet,
die Elfe schreitet.

So geht das nicht
und die Geschicht
wird ganz vermurkst,
wenn du's vergurkst!

Stell dir nur vor:
der König schwebt!
Mit einem Mal:
die Erde bebt,

weil er – pardauz -
zu Boden fällt,
auf seinen Platz
in Märchens Welt.

Sowas versetzt
zu Recht den Ritter
in ordentliches
Angstgezitter.

Womöglich gibt’s
dann guten Grund,
warum ein Rehlein
reitet und


worauf. Auch das
ist hier die Frage.
Die Elfe schreitet
ohne Plage

aus dem Gedicht.
Sie mag es nicht.









.murks-gedicht/märchen-gedicht: die amelie ´ 09
.illustration: John D. Batten, 1892

Dienstag, 17. November 2009

Der Lockruf der Wassernixe

(eine schaurige Villanelle ganz in der Tradition eines "Erlkönig" für etwas größere Kinder, die sich gern gruseln)



Zu mir herab, tauch, süßer Jüngling, bis zum düstren Grund.
Lass dich dabei nicht in den Algenwäldern fangen!
Ich warte wasserschwebend auf dich hier, gar Stund um Stund.

Seit ich dich sah, dürstet nach dir mein kühler Mund
und meine klammen Finger danach warmes Fleisch zu langen.
Zu mir herab, tauch, süßer Jüngling, bis zum düstren Grund!

Glaub mir, es liegt für dich bereit kostbarer Fund:
der Nixen Gold, von dem der Ahnen Lieder sangen!
Ich warte wasserschwebend auf dich hier, gar Stund um Stund.

Jahraus, jahrein bewacht' den Schatz ich tief in Weihers Schlund
für dich! Drum sollst nicht länger du noch bangen!
Zu mir herab, tauch, süßer Jüngling, bis zum düstren Grund!

So einsam, schwer und kalt ist meinem Herz, und wund!
Wie gern berührt' ich deine rosenroten Wangen!
Ich warte wasserschwebend auf dich hier, gar Stund um Stund.

Ich weiß: bald trifft mich leer dein Blick aus Augenrund,
verstummen all der Liebe Worte, die zuvor erklangen.
Zu mir herab, tauch, süßer Jüngling, bis zum düstren Grund.
Ich warte wasserschwebend dann mit dir, gar Stund um Stund.



.nixengedicht/gruselgedicht/schauriges gedicht: die amelie ´ 09
.foto: die amelie ´ 09

Dienstag, 10. November 2009

Monsterkeksbacktag (kein Gedicht für schwache Mägen)


Ritzeratze Zippelfrack,
heut ist Monsterkeksbacktag!
Kekse essen Monster gern,
doch nicht Zimt- und Mandelstern.

Viel zu hübsch sehn diese aus
für den Monstertellergraus.
Wahren Monster-Un-Genuss
gibt's nur OHNE Zuckerguss.

In den Teig gehör'n hinein:
Moorhuhnei und Algenschleim!
Anstatt Mehl und Orangeat
rührt man Staub und Waldschrattbart

mit dazu, bis alles cremig
oder glitschig-schleimig-sämig.
Lässt danach die Masse ruh'n
in ganz alten Morschholztruh'n

für ein Jahr oder auch zwei.
Dann hol man sie rasch herbei,
walze sie schön flach und platt,
klopf die Würmer darin glatt,

steche schöne Förmchen aus.
Käfer sehen da gut aus!
Oder nimm Kotzpfützenform,
die gefällt auch ganz enorm!

Ab ins Backrohr, wieder raus:
herrlich fahlgrün sieht das aus!
Nun noch liebevoll garniert
und mit allem dekoriert,

was da krabbelt, kreucht und fliegt.
Wenn's dann auf dem Teller liegt,
unser Monster-Kleingebäck,
krieg, du Menschlein, keinen Schreck!




.keks-gedicht/monster-gedicht/ekel-gedicht/back-gedicht: die amelie ´ 09
.monstergebäck-bild: http://www.holidash.com/halloween/crafts/diy-halloween

Sonntag, 8. November 2009

Eugen Eulerich



Eugen, alter Eulerich,
bist ganz schön großmäulerich!
Machst vor Olga Eulendame
für dich selbst eifrigst Reklame.

Plusterst, bläst und spielst dich auf,
fliegst zur Kirchturmuhr hinauf,
einen Looping obendrüber.
Eugen, bist du ganz hinüber?!

Olga findet Wagemut
nämlich überhaupt nicht gut.
Und sie hätt es dir gesagt,
hättest du sie nett gefragt

nach 'nem Eulen-Rendezvous
nachts mit Mondschein und Schuhuu
(Olga mags lieber romantisch
anstatt heldenhaft-gigantisch)!

Lass die Flattershow doch sein!
Sieh nur – sie sitzt ganz allein!
Eugen, hör: so wird das nix!
Schluss jetzt mit dem Rumgefliegs!

Lad sie doch zum Essen ein:
auf Feldmaus bei Glühwurmschein
und ein Schlückchen Wiesentau -
das mag jede Eulenfrau!

Prahl nicht, doch erzähl von dir.
Frag sie auch „wie geht es dir?“
und erkämpf mit Charme und Scherz
Olga Eulendames Herz!






.eulengedicht/erober-gedicht: die amelie ´ 09
.bild: "Zwei Eulen", Thomas Moran, 1837 - 1926

Samstag, 7. November 2009

Mamas und Bionicles



Die Amelie hat auch einen Sohn, der Bionicles ganz toll findet und einige selbst besitzt. Wie es ihr als Mutti damit geht, hat sie in einem Gedicht beschrieben. Vielleicht kommt dir das ja bekannt vor... (kicher):


Oh, Makuta, steh mir bei!

Roodaka und Sidorak,
Anführer der Visorak -
was, die kennst du? Das ist recht:
denn Bionicle ist echt

allerfeinstes Heldentum.
Da geht es um Macht und Ruhm,
um den Kampf von Gut und Böse
und um wahre Herzensgröße.

Ich, als Mama, hab's nicht leicht,
weil sehr vieles sich so gleicht:
da gibt es die Matoraner,
andre heißen Glatorianer

und Barraki gibt es auch.
Ach, ich steh oft auf dem Schlauch,
geht’s drum all die Kampfgestalten
auseinander mir zu halten.

Auch verwandeln sich die gleichen,
leben in verschiednen Reichen:
Metru oder Mahri Nui,
Mata, Voya? Uiuiui....

Toa Mahri und Inika -
wer bekämpfte die Pirika?
Was? Piraka heißt das? Puh!
Bitte, drück ein Auge zu.

Oder lieber doch gleich zwei.
Oh, Makuta, steh mir bei!








Und guckt mal, was die Amelie dazu auf youtube gefunden hat!
Einen Trickfilm wie diesen zu machen, ist ganz schön viel Arbeit!
Also ich find ihn toll! Brumm!


Viel Vergnügen!

Euer Bert





.bionicle-gedicht: die amelie ´ 09

Freitag, 6. November 2009

Fremd zu sein

Dinge, die der Mensch nicht kennt,
nennt er „fremd“.
Manches, was wir nicht verstehn,
wenn wir's sehn,
macht uns mulmig tief im Magen
und wir sagen:

Es ist doof!
Es ist blöd!
Es ist mies!

Doch das ist fies!

Und auch dumm!
Denn andersrum

ist's genauso. Oder nicht?
Denn das Fremde kennt UNS nicht!

Hat man's schon mit dir gemacht:
gar nicht lange nachgedacht,
gar nicht erst 'ne Chance gegeben?

„So ist das eben!“???

Findest du das denn ok?
Tut das innen drin nicht weh?
Ist's ein Mensch gar, so wie wir,
geht’s ihm ganz genau wie dir!

Seh'n wir's ein: „fremd“ zu sein
macht manchmal verdammt allein.




.einsamkeits-gedicht/fremd-sein-gedicht/angst-gedicht: die amelie ´ 09
.bilder: wiki-commons

Dienstag, 3. November 2009

Tier-Namen-Geholper


Wie heißt ein Gorilla-
Mädchen? Logo: Tilla!

Wie heißt wohl ein Panda-
Mädel? Klaro: Wanda!

Wie heißt dann ein Falter-
Knabe? 'türlich: Walter!

Darum heißt ein Rochen-
Junge auch nur Jochen.

Und die kesse Wanze?
Tja, die heißt Konstanze.

Fast vergessen! - Jan
heißt der Wanzenmann.

Wär Klaus eine Mäusin,
hieße er dann Kläusin?

Wie heißt bloß -owei! -
Mama Papagei?

Warum das Gedicht
holpert?
Weiß ich nicht.


.holper-gedicht/unfug-gedicht/namen-gedicht: die amelie ´ 09
.öl-gemälde: "Wein und Konfekt, Maus und Papagei" von Georg Flegel (1566–1638)

Samstag, 31. Oktober 2009

Radnetzspinne Berta Koch

Radnetzspinne Berta Koch
ruft entsetzt: „Herrjeh! Ein Loch!
Hier! In meinem Netz, ganz groß.
Ach, was mach ich denn jetzt bloß?

Ganz zerstört ist das Geflecht.
Hält nur noch mehr schlecht als recht.
Und es hängt, - ich mein, ich spinn! -
nicht ´mal eine Fliege drin.

Feines Netz hat seine Tücken,
lässt sich nicht so einfach flicken!
Alt und morsch sind meine Haxen,
neuem Netzbau kaum gewachsen.

Viel zu mühsam wird’s mir hier
bei Herrn Müller auf Tür 4.
Also werd ich nicht lang fluchen,
neues Jagdrevier mir suchen.“

Kaum gesagt, ist's schon getan.
Berta fängt zu krabbeln an.
Da! Bei Jansens Außenleuchte
schien es wohnlich, wie ihr deuchte.

Motten, Mücken, groß an Zahl,
schwirren dort im Lichterstrahl!
Bertas Magen brummt „Jawoll!
Hier find ich's so richtig toll!“

Unsre Spinne, gar nicht dumm,
folgt dem Magenrumgebrumm.
Fasst voll Hoffnung Kraft und Mut:
„Dieses Mal noch! Richtig gut!“

Webt sogar mit Doppelfaden,
dass ihr Netz bleibt ohne Schaden.
Groß die Mühe! Doch auch wert:
hat ein Spinnennetz beschert,

das sogar Nachtschwärmer hält!
„Wow! Das tollste Netz der Welt!“
schwärmt Emilio Weberknecht,
wohnhaft Türe 6, bei „Brecht“.

Berta, stolz und auch verlegen,
muss sich erstmal schlafen legen.
Schwer wiegt jedes Spinnenbein.
So schläft sie erschöpft gleich ein.

Träumt von Spinnenfestgelagen
an noch vielen satten Tagen.
Dem, was Spinnenherzen freute:
Große, fette Spinnenbeute!



.spinnengedicht/mutgedicht/nicht-aufgeben-gedicht: die amelie ´ 09
.spinnen-illustration: "Die lächelnde Spinne" von Odilon Redon, 1891

Freitag, 30. Oktober 2009

Ottos Mops, Ernst Jandl (gar nicht so ernst) und Brechts Specht



Du kennst vielleicht schon das Gedicht "Ottos Mops" von Ernst Jandl.
In dem unteren Fenster kannst du ihn selbst sehen und hören, wie er sein Gedicht vorträgt.
Im oberen hat jemand ganz kreativ aus Jandls Text eine sogenannte Animation gemacht und mit schöner Musik kombiniert, sodass alle Buchstaben (und zwar jeder einzelne!), die in "Ottos Mops" vorkommen, sich bewegen und dazu tanzen.

Ich seh mir das immer wieder gern an!
Und das Gedicht selbst find ich sowieso toll!
Brumm! Auch dir viel Spaß dabei

wünscht


Dein Bert








Ob du wohl auch ein Gedicht mit nur einem einzigen Vokal hinbekommst? Versuch es doch einfach. Es macht auf jeden Fall Spaß!

Und vielleicht kommt ja auch so etwas dabei heraus wie das Gedicht hier, das die "amelie" natürlich Ernst Jandl zu Ehren versucht hat (sie hat übrigens einmal in dem Gedicht "geschummelt". Hihi. Findest du heraus, wo?):


Brechts Specht


Brechts Specht peckt.
Specht: tekk tekk!

Brecht: weg, Specht, weg!
Specht (recht keck): peck!

Brecht zecht.
Brecht geht’s echt schlecht.
Specht: kneck kneck!
Brecht: ächz.

Brecht: Specht! Wech!

Brecht redet.
Brecht wedelt.
Brechts Specht steht.
Brechts Specht peckt.
Brechts Specht steckt.

Brecht: Pech, Specht! Pech!




.spechtgedicht/dada-gedicht/jandl-gedicht/vogelgedicht: die amelie ´ 09

Dienstag, 27. Oktober 2009

Waldspektakel


Ach, im Wald ist es so still...
nur, wenn man nicht hören will!
Da ein Rascheln, dort ein Wispern,
Käfertrappeln, Herbstlaubknistern.

Nur weil man nicht alles sieht,
heißt das nicht, dass nichts geschieht!

Unter dir wühl´n Regenwürmer,
Spinnen rennen, schnell wie Stürmer.
(Tore schießen sie wohl keine,
sonst verknoten sich die Beine!)

Pillendreher kugeln Mist,
wie es ihre Art so ist.

Waldohreulen drehen stumm
ihren Kopf fast ganz herum.

Waldameisenarbeitstruppen
sammeln Raupen oder Puppen.

Doch es gibt noch so viel mehr!
Waldspektakel, bitte sehr!

Salamander, Ringelnattern,
von links oben Flügelflattern!

Spitz die Ohr´n und hör gut hin!
Alles lebt! Du mittendrin!

Nichts ist laut, wo es nicht muss,
Bächleinrauschen ein Genuss.

Schärf den Blick für Winzigkleines!
Dann entdeckst du noch mehr Feines!

Was noch fehlt, verrat ich nicht -
viel zu lang würd das Gedicht.
Manches ist noch nicht entdeckt,
weil es sich zu gut versteckt!
Hat noch nicht mal einen Namen,
wie zum Beispiel .......





.waldgedicht/naturgedicht/tiergedicht: die amelie ´ 08
.illustration: Jan van Kessel (1626-1679), "Insekten und Beeren"

Kindersommer



"Schnitterschnatter! Rumgeflatter!"
watscheln Enten aus dem Gatter.

Blökend, „mäh“hend, Wiesen mähend
schlendern Schafe, fast schon stehend.

Bummelbrummelnd, summend grummelnd
Hummeln sich um Blüten tummeln.

Sirrend, schwirrend, leise flirrend
Flügelschlag mag Luft verwirren.

Itzelbitzel Zehenkitzel !
Grashalm in dein Ohr reinfitzel...

Sommer, Sonne, gleißendweiß,
Funkelglitzerwassereis.

Schau durch deiner Murmel Glas!
Mehr noch siehst du...
und all das!




.sommergedicht/spaßgedicht/wortspielgedicht: die amelie ´ 08
.foto und bearbeitung: die amelie ´ 09

Radau in der Au


„Blubb“ – da! Ein Frosch
springt und macht „Splosch!“

Es klingt wie „Splisch!“,
schnellt hoch ein Fisch.

Leise tönt -„Sirr“-
Libellengeschwirr.

„Tokk tokk tokk tokk“ -
klopft Holz der Bock.

„Tack tack tack tack“ -
hallt Spechtgehack.

„Wlatsch“ reiten Welle
Schildkröten schnelle.

„Kchchch“ kratzt auf Holz
Schlangenhaut stolz.

Träg brummeln - „bsssssummm“ -
Hummeln herum.

Still stehst nur du,
die Augen zu,

lauschst ganz genau
hier in der Au,

Sonne an Haut.
Ist das hier laut!



.geräuschegedicht/naturgedicht/hörgedicht/sommergedicht: die amelie ´ 09
.fotos und collage: die amelie ´ 09

KinderKleiderHaufen (ein Kindergarten-Anzieh-Gedicht)

Frau Knolls coole „Dino-Gruppe“
fühlt sich heut als „Selbst-Mach-Truppe“.
Nach dem Schwimmen - ganz allein! -
woll'n sie ins Gewand hinein!

Tim hat alles vorbereitet
und die Sachen ausgebreitet.
Um die Ecke mit viel Braus
flitzt nun Ulli, rutscht drauf aus.

Mittenrein ist er gelaufen -
jetzt liegt da ein großer Haufen.
„Pöh! Wir kriegen das schon hin!“
beginnt man sich anzuzieh'n.

Die famose Unterhose
ist die von der Mia Klose.
Und die Schlabberringelsocken
sind von Lale mit den Locken.

„Iiiiih, ein Rüschenrock“, kreischt Jan,
„niemals kommt der an mich dran!“
„Pah!“ meint Antje, „die Bluejean
steck dir, Jan, doch sonstwohin!“

„Pssst!“ raunt die empörte Dörte,
„ob sich das jetzt wohl gehörte?!“
„Meine Hose!“, ruft Paul, „Fein!“
und schlüpft schon ins Hosenbein.

„Das ist meine!“ zerrt fest Laurin,
„guck gefälligst ganz genau hin!“
Mittendrin schnieft leis Marleen
„mich friert schon so in den Zeh'n.“

Robert trägt als Stützverband
Miriams Stirnband an der Hand,
hat zum Wärmen seiner Ohren
Kniestrümpfe sich auserkoren.

Denn die baumeln so schön toll.
„Uuuups!“. Da kommt auch schon Frau Knoll!
„Meine Güte! Schreck und Graus!
Kinder, wie seht ihr denn aus?!“



.anziehgedicht/kindergartengedicht/spaßgedicht: die amelie ´ 09

Sonntag, 25. Oktober 2009

Lotte Motte (ein Gourmet-Gedicht)



Lotte Motte, die ganz flotte,
frisst niemals frische Karotte.
Auch nicht Obst oder Tomaten.
Sind viel zu gesund geraten!

„Vitamine?“ sagt sie. „Iiiiiih!
Sind Gift für mich Flügelvieh!
Lieber mag ich eingespeckte,
Schokofinger-Fett-befleckte

Omama-Pelzmantel-Krägen.
Meilenweit flieg ich deswegen!
Und daneben, Opas Frack
mit 'nem Ketchup-Fleck drauf. Zack!

Schon bin ich im Paradies!
Koste mich durch Mantel-Vlies,
durch Wollmützen, - Handschuh, -Socken!
All das kann mich sehr verlocken!

´Currywurst an Winter-Sweater´
hebe ich mir auf für später.
Und für ´Eierlikör-Jus
auf Twin-Set´ ist es zu früh.

Der kommt dann als Digestif.
Fein diniert wird hier mit Schliff!
Erst sind die hors d'oeuvre dran:
unterm Perser Bubblegum,

luftgetrocknet, herrlich zäh,
passt zu Lutschbonbon-Paté.
Platzteppiche sind per Exempel
feinste Gourmet-Motten-Tempel!“

Lotte weiß das, sie ist klug,
macht sich auf zum nächsten Flug
zu Frau Krauses Wäscheschrank:
Mottenfestmahl – nächster Gang!

Doch – oh Schreck! - was sieht sie liegen,
sich an Unterhemden schmiegen?
Ekelhaft und kugelrund?
Alarm! Mottenkugel-Fund!

Und – Igitt! - hier in der Luft
liegt plötzlich ein fieser Duft
nach Lavendel. Lottes Magen
krümmt sich, will beinah versagen.

Taumelnd dreht sie grad noch ab.
Fühlt sich nun ganz schrecklich schlapp.
„Ach, verflixt!“ denkt sie verdrossen,
„wieder ein Lokal geschlossen!“



.mottengedicht/gourmetgedicht/spaßgedicht von: die amelie ´ 09
.mottenfoto: Roman Köhler
.motten-zeichnung/naturstudien: Maria Sibylla Merian, 1705 veröffentlicht



Hallo!

Falls du gerade beim Lesen über die schwierigen französischen Wörter gestolpert bist, die man heutzutage verwendet, wenn man damit zeigen will, dass man was von gutem Essen versteht, dann helf ich dir ein wenig.
Immerhin sind die ja ganz anders auszusprechen als sie da stehen. Und man sagt dann auch nicht Rindsbraten mit Tunke, sondern eben Rinderbraten an Jus (das sagt man übrigens "Schüüü"). So ein "gewöhnliches" Wort wie "zu" oder "mit" würde ja verraten, dass man keine Ahnung von französischer Küche hat! Mir ist das allerdings ziemlich bären-wurst. Hauptsache, das Essen schmeckt gut! Brumm!

(Die fettgedruckten Silben sind die, die du betonen musst, damit du wie ein Franzose klingst):

"Jus" wird Schüüü gesprochen.
"Digestif" wie Di-schöss-tiff .
Am schwierigsten sind die "hors d´ oeuvre". Die spricht man nämlich so: Ohr-dööövr.
"Paté" (mit dem kurzen Strich auf dem e) sagt man Pa-teeee und "Gourmet" wird Gur-meeee gesprochen.

Brumm! Ja, jetzt klingst du wie ein echter Franzose. Oh lala!

Dein Bert

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Der Glumpf und die Kunst (ein Gedicht mit französischem Akzent)

„Schöner Wohnen!“ denkt der Glumpf
sich daheim, ganz nah am Sumpf.
„Der Behausung fehlt der Schliff,
und dem Interieur der Pfiff!“

Überm Sofa fehlt ein Bild.
„Das ist alles halb so wild!“
sagt der Glumpf sich und bricht auf
in die Stadt zum Bilder-Kauf.

Gar nicht lang, da sieht er sie,
vis a vis, die Galerie!
Oh la la! Da prangen schon
mono- und auch polychrom

an den Wänden dicht gedrängt,
exquisit ins Licht gehängt,
Leinwände voller Acryl.
Manche davon mit Gefühl

vollgespachtelt, andre so,
dass man sie wohl nur im Klo...
Doch da kommt schon der Besitzer.
Im Gesicht ein Bart – ein spitzer.

„Was gan isch äut für Sie tün?“
fragt der sogleich ungestüm.
Am französischen Akzent
man den Kunstfachmann erkennt!

Mutig prescht der Glumpf voran,
hebt gerad zum Sprechen an,
doch da fällt ihm schon ins Wort
dieser Kunstexperte dort.

„Ah! Isch säh schon, Sie sind frei
im Umgong mit Malärei.
Das 'ab isch sogleisch ergannt
an Make-up und am Gewand!

Nur wär sisch so stylisch kleidät,
'at dem Günstlär nischt geneidät
jenäh Gabäh, welsche macht,
dass är – schwüpp! – gons unbedacht,

mit gar göttlischem Geschick
und jenäm besondrän Blick
für das Wesäntlische, Schönäh
wählt die rischtigän Farbtönäh!“

„Isch hätt gerne was in Grün“
wagt der Glumpf ihn zu bemühn.
Ist ihm, wenn uns richtig deucht,
da nicht grad ein „Sch“ entfleucht?

„Grün! Die Farbe der 'Offnüng!“
Freuderfüllt die Augen sprüh'n
nun von unserm Galerist,
weil der grad voll Hoffnung ist,

endlich jenen Ladenhüter
von Hans-Dieter Brejenklüter,
einem leider stets verkannten
Malgenie, ganz unbekannten,

loszuwerden. Wär das fein!
Rasch trägt er das Bild herein.
Darauf sieht man – grün in grün -
Spachtelspuren Bahnen ziehn.

„Sehän Sie nur wie famös,
där Günstlär 'ier 'at pastös
seine Offnüng ausgedrückt.
Wahrlisch, welsch ein Meistärstück!“

Doch der Glumpf hört gar nicht zu.
Er genießt in aller Ruh
all die glitschig, gatschig-schönen
Matschmalspur'n in Erbsgrüntönen.

„Grad als wär's für mich gemacht!“
hat er sich sofort gedacht.
Eine gute Stunde später
hängt das grüne Donnerwetter

überm Sofa und erhellt
grün des Glumpfs Gemüt und Welt.











.glumpfgedicht/kunstgedicht/malereigedicht/spaßgedicht von: die amelie ´ 09
.bild und bearbeitung: die amelie ´ 09



Pssst! Ich wette, der Hans-Dieter Brejenklüter hat sein Bild in der Murmel-Mal-Technik gemalt!

Das kannst DU übrigens auch:
du brauchst dazu einen Schachteldeckel mit Rand. Da hinein legst du ein Papier, das du auf die passende Größe zuschneidest oder faltest.

Dann benötigst du noch Murmeln und Fingermalfarben.

Tunke die Murmeln ordentlich in die Fingermalfarben, leg sie dann in den Schachteldeckel auf das
Papier. Und nun lässt du den Deckel mit den Murmeln drin ordentlich wackeln und wanken, kreisen und schwanken. Wenn die Murmeln dann so auf dem Papier in dem Deckel rumkullern, malen die ein spannend-tolles, abstraktes Bild!

"Abstrakt" bedeutet übrigens "ungegenständlich". Das heißt, man erkennt auf dem Bild keine Menschen oder Tiere oder überhaupt irgendwelche Sachen. Da geht es nur um Farben, Formen und Richtungen. Und das ist oft auch sehr toll anzusehen!

Probiers aus! Es macht echt bärig Spaß!

Dein Bert

Das Vornamen-ABC-Gedicht mit dem Yak



Agathe liebt Salate,
Brigitte Sahneschnitte
und Cäsar sprach Latein.

Daniela macht nie Fehler,
Emilie riecht nach Lilie
und Franzens Frack ging ein.

Gisella wäscht brav Teller,
Horst morst vom grünen Forst
und Irmtraud haust allein.

Jürgen muss immer würgen,
Karola trinkt gern Cola
und Lotte lieber Wein.

Marianne in der Wanne
hört Norbert,der laut fordert:
Ophelia, komm bald heim!

Pauline nascht Praline,
Quirin will lieber hierhin,
Rüdiger glitscht auf Schleim.

Sarah in der Sahara
sucht dort Theo, den Beo
und Utz bringt beide heim.

Verena kennt Athener,
Walter verschiedne Falter
und Xaver fängt sie ein.

Das Yak sagt: „So ein Quark!
Ich zottel wie ein Trottel
als letzter hinterdrein!“




.vornamengedicht/abc-gedicht/spaßgedicht: die amelie ´ 09
.bild: "Konstruktion von Buchstaben", Albrecht Dürer, 1604
"NOP" aus dem "Fantastischen Alphabet", Meister E.S., 1466

Dienstag, 20. Oktober 2009

Gefahr auf hoher See (ein Piratengedicht mit schrecklichem Ausgang)

Seeräuber-Käptń Knatterbart
befindet sich auf großer Fahrt.
Beladen ist die Galeone
mit Munition für die Kanone
und Proviant für viele Tage,
auf dass niemanden Hunger plage!

Doch Piet, der holzbeinige Maat,
hat Zwieback und auch Bohnen satt.
Die essen sie hier nun seit Wochen.
Ach, würden sie doch mal was kochen,
das schmackhaft,- Na! -, halt anders schmeckt,
als das, was er hier kriegt an Deck!

Je länger Männermägen knurren,
je häufiger hört man sie murren.
Und so beschließt man Meuterei,
führ man nicht bald mal wo vorbei,
wo Früchte wachsen, Tiere leben,
die wahre Festmale ergeben,

wenn man sie herzhaft zubereitet.
Wie gut, dass Smutje sie begleitet!
Der weiß genau, was ihnen schmeckt
und wie man eine Tafel deckt.
Er war nämlich einst Patissier,
bevor man ihn verschleppt´ auf See.

Doch Nichts! Nicht einmal eine Insel
sieht man am Horizont. Gewinsel
entringt sich hungrig-heisren Kehlen.
So garstig fies kann Hunger quälen.
Drum sind sie schließlich auch zu schlapp,
brechen die Meuter-Pläne ab

und fangen an zu fantasieren
von fliegenden Brathuhn-Getieren,
von Bratkartoffeln, riesengroß,
grad wie Kanonenrohrgeschoss.
An Bord wird plötzlich alles Nahrung.
„Halluziniert!“ sagt die Erfahrung

dem Leser, der hier Schlimmes ahnt
und bangt, was weiter sich anbahnt.
„Seht nur!“ ruft Piet, die Augen groß,
und schnappt sich gierig einen Kloß,
der groß und schwer und riesigrund.
Er öffnet ganz weit seinen Mund

um herzhaft einen Biss zu machen.
Da hört man schon die Zähne krachen.
Dann poltert etwas – Rumms! - aufs Deck,
schlägt durch den Boden glatt ein Leck.
Während der Kahn so langsam sinkt,
frägt man sich, ob man wohl ertrinkt,

und Piet, nun zahnlos, wird verflucht.
Ist er doch schuld, weil er versucht'
Kanonenkugeln zu verzehren.
Gar viel Gefahr herrscht auf den Meeren!





.piratengedicht von: die amelie ´ 09
.bild: die piratin "Mary Reed", 18.Jh., неизвестен

In der Tiefsee





Unten, tief im Abyssal,
da lauern viele Kreaturen.
Dorthin gelangt kein Lichterstrahl,
drum sieht man auch keine Konturen.

Doch manche Lebewesen dort,
die haben ganz spezielle Tricks:
bescheinen selbst sich diesen Ort
und machen eignes Licht wie Nix!

Sie alle kennt mein Sohn beim Namen:
Qualle, Kalmar, Pelikan-Aal.
Weiß, dass sie aus den Tiefen kamen,
in die als einz'ger taucht der Wal.

Wie wünscht er sich mit ihm zu gehn,
säh gern das Funkeln und das Leuchten,
würd freudig gruseln, könnt er sehn,
wie Opfer Fangzähnen entfleuchten.

Für dieses „Kunstlicht“ gibt’s ein Wort.
Na klar, mein Sohn, erst fünf, der kennt's.
Für Mütterzungen glatter Mord,
sag's du: „Bi-o-lu-mi-nes-zenz“!



tiefseefische und schaukasten: Georg N. (mit Mamas Hilfe), 5 1/2 Jahre , Sohn von "die amelie"
abbildungen: pottwal: Archibald Thorburn, vor 1935; riesen-kalmar: Carl Chun, 1910
meergedicht/tiefseegedicht von: die amelie ´ 09




Georg (, der den Schaukasten da oben gebastelt hat,) hat gemeint, ich soll euch noch sagen, dass der Pottwal als einziger Wal bis in die lichtlose Tiefsee, das sogenannte Abyssal, hinabtauchen kann. Der schafft 1143 Meter! Brumm! Das Wort "Abyssal" übrigens kommt von den alten Griechen und bedeutet: "bodenlos". Nichts für einen wasserscheuen Bären wie mich. Schüttel...


Dein Bert

Die kurzsichtige Schlange Wanda


Wanda schlingt im Schlangensumpf
sich gewandt um einen Stumpf
einer großen Dattelpalme,
guckt von dort auf Schachtelhalme,

dass sie wohl etwas entdecke,
das sich tief im Schilf verstecke
und sich zum Verschlingen eigne.
Still! Es raschelt im Gezweige!

Da – ein Knacken, dort - ein Knistern!
Rundum leises Luftzugswispern.
Angestrengt guckt sie umher:
„Ich hör doch was! Ist denn da wer?!“

Hungrig schnellt vom Baum sie vor.
Lauschend spitzt sie Zung' wie Ohr.
Horch! Ihr Magen knurrt ganz laut.
Hat zu lang nichts mehr verdaut.

Wird sie endlich Beute machen?
Ewig schon stand leer ihr Rachen.
Doch auch heut wird’s nix mit Fressen -
hat die Brille sie vergessen!

Welch ein Glück! Da kommt schon Tjum,
öffnet das Terrarium.
Wanda, sieh nur! DIE Portion!
Schnapp! - Gepackt! Sie hat sie schon!



.schlangengedicht/tiergedicht von: die amelie ´ 09
.bild (detail): Eva Eisner, (10 Jahre)

Sonntag, 18. Oktober 2009

Winterwald-Villanelle

















Im Winterwald ist heute Feen-und Elfenball!
Geladen sind die wundersamsten Gäste.
Es tanzen Zauberwesen dort in großer Zahl.

Da freu´ n sich Faune auf die Damenwahl
beim feierlichsten aller Jahreszeitenfeste.
Im Winterwald ist heute Feen- und Elfenball!

Weich fallen Nymphenkleider lang und schmal,
der Zwerg von Welt trägt seine beste Weste.
Es tanzen Zauberwesen dort in großer Zahl!

Kalt prickelt Schaumwein im Kristallpokal
und am Buffet speist man stets nur das Beste!
Im Winterwald ist heute Feen- und Elfenball -

sieh nur, welch Reigen unter Mondes Strahl!
Schneeglanz im feinsten aller Tanzpaläste!
Es tanzen Zauberwesen dort in großer Zahl.

Vergleichbar Schönes gibt’s nicht nocheinmal!
Es zeugen tags darauf davon nicht einmal Reste...
Im Winterwald ist heute Feen- und Elfenball.
Es tanzen Zauberwesen dort in großer Zahl!



.feengedicht/elfengedicht/zwergengedicht von: die amelie ´ 09
.ölgemälde: "Waldlandschaft im Winter", Conrad Alexander Müller-Kurzwelly (1855-1914)




Schon wieder so ein Gedicht mit Wiederholungen (erinnerst du dich noch an das Pantum vom Drachenzahn?)!

Eine Villanelle ist eine ziemlich strenge Gedichtform, die im 18. Jahrhundert die Engländer von den Franzosen abgeguckt haben und die die Leute auch heute noch schön finden. Wenn du dir das Gedicht genau ansiehst, merkst du, dass es in vier Strophen mit drei Zeilen und eine fünfte mit vier Zeilen eingeteilt ist. Und die erste und die dritte Zeile aus der allerersten Strophe kehren immer wieder, an fest dafür vorgesehenen Stellen (Na, hast du sie schon entdeckt?).
Da alles Andere dazuzureimen, so, dass es auch noch eine schöne Geschichte ergibt, ist eine knifflige Sache, die großen Spaß machen kann!

Dein Bert

Eitler Glumpf (noch ein Glumpf-Gedicht)

Es grunzt unrund im Sumpf der Glumpf.
Er las zu lang im „Lederstrumpf“.
Jetzt fehlt vom Schlaf ein großes Stück.
Das Buch ist halt auch wirklich dick.

Nun zieren Ringe seine Augen.
„Es gibt doch Cremes, die da was taugen?“
So fragt er sich und macht sich früh
am Tag auf in die Parfümerie.

Dort gibt es Tiegel, Tuben, Flaschen
zum Cremen, Schmieren und auch Waschen
von zarter, ewig-junger Haut.
Auswahl, wohin das Auge schaut!

Ratlos steht er vor den Regalen,
windet sich in Entscheidungsqualen.
Dann hat er das Produkt gefunden,
das hilft bei tiefen Augenrunden.

Doch schon entstehen neue Fragen:
wie klappt's das Mittel aufzutragen?
Mit Schwämmchen, Kämmchen oder Quaste?
Was unterscheidet Fluid von Paste?

Und was ist, bitte, Elastin?
Stirnrunzelnd sieht er näher hin.
Wozu braucht Haut 'ne Condition?
Die kriegt man von viel Sport doch schon...

Als nächstes liest er „abrasiv“
und schlittert nah ans Stimmungstief.
Da helfen auch nicht Ceramide -
der Glumpf wird nun müder als müde.

Er schließt die Augen und greift zu.
Er öffnet sie und liest – nanu? -
„Für immer sollen fortan strahlen
ringlose Augen!“ Nur noch zahlen!

Er sieht den Preis und schnaubt unwillig
„Dagegen scheint Benzin ja billig.“
Doch Eitelkeit hat ihren Preis.
Etwas, das nun der Glumpf auch weiß.

Während er so zur Kassa geht,
prüft er nochmal, was er ersteht.
Da steht „für den ganz hellen Teint“.
Der Glumpf fühlt, dass er nun gleich weint.

Da machte er sich solche Müh' n.
Doch Hautkosmetik gibt’s nicht „Grün“...



.glumpfgedicht von: die amelie ´ 08
.foto: Schalen mit Deckel und eine korinthische Pyxis, zur Aufbewahrung von Kosmetik; gefunden in einem Grab des 5. Jh. v. Chr., Kerameikos Archaeological Museum in Athen, Griechenland, Foto von: Marsyas, Own work, 2005





Wusstest Du, dass die Menschen sich schon vor mehreren tausend Jahren ihre Gesichter geschminkt haben? Die waren also schon damals ziemlich eitel.
Die Dosen, die Du oben auf dem Bild siehst, sind zweieinhalbtausend Jahre alt! Sie stammen aus Griechenland und wurden damals mit der Hand aus Ton geformt und bei über 900 Grad Celsius in einem Feuer hart und haltbar gemacht! Auch heute werden Keramikgefäße noch so hergestellt. Bärig, nicht?!

Dein Bert.

Bert, der Bär, beim Friseur







Bert, der Bär,
der sieht nichts mehr.
Das stört ihn sehr.
Ab, zum Friseur!

Der greift zur Scher',
schnippt hin, schnappt her
und einmal quer.
Das ist nicht schwer.

Doch welch Malheur!
's hat der Friseur
zu viel gemäht.
Nun ist's zu spät.

Bert weiß 'nen Trick
und trägt nun Strick.
Der wärmt wolldick
und ist noch schick!










.bärengedicht/friseurgedicht: die amelie ´ 09

Freitag, 16. Oktober 2009

Der Glumpf (Teil 1)

Schlibberschlabbersabberlatz!
Alberts Schwester isst Spinatz.
Annabell ist erst halb 2
und noch nicht geschickt dabei...
Löffeln, Schaufeln, Zielen Üben -
Albert kann´s schon. Er ist 7.

Doch sein Schwesterchen noch nicht.
Schnell den Regenmantel dicht!
Taucherbrille liegt bereit.
Albert grinst. Er weiß Bescheid!

Und ihr Löffel taucht tief ein,
holt sich grün pürierten Schleim.
Balanciert dann sehr riskant
ohne Netz zum Tellerrand.
Fast im Mund...hurra! - Hatschiiiiii!
Papas Hemd hat nun Esprit.

Mama tut, als ob nichts wär.
„Bitte Salz!“
„Hier.“
„Danke sehr.“
Papa seufzt, doch nur ganz sacht.
Löffelt weiter mit Bedacht.
Während Annabell erkundet,
ob Spinat auch Nasen mundet.

Vor ihr auf dem Tisch: ein Sumpf.
Darin lauert fies ein Glumpf!
Schon ist Albert auf der Spur
nach der seltnen Kreatur
und beginnt sich auszumalen
Spurensuche, Glumpfe-Fallen.

Tief im Geiste hört er schon
Glumpfgeschlurfe. Oh, welch Ton!
Schmatzend, schleifend, wie voll Schlamm.
Albert wird’s ein wenig klamm.

Rasche Hilfe muss jetzt her!
Dem Erfinder fällts nicht schwer...
Schleuderlöffelbrotteigbälle,
schnell gemacht - für alle Fälle!
Falls ein Glumpf dem Sumpf entfleucht
und bedrohlich näher kreucht.

Hat sich da nicht was bewegt?
Schnell die Kugel aufgelegt!
Gut gezielt und „Feuer los!“
Im Spinat landet ein Kloß.

Albert triumphiert erregt.
Nichts am Tisch sich mehr bewegt...

Unfair und nicht wirklich nett
schickt man ihn heut früh zu Bett.


.glumpfgedicht/spinatgedicht von: die amelie ´ 08

Rosalinds Explosee (ein Hexe Rosalind-Gedicht)


Es war einer jener Tage, wo man besser gar nichts tut.
Denn wenn man dann doch was anfängt, wird das meistens gar nicht gut.
Rosalind bei sich zuhause, tief unter dem Eichenstamm,
machte grad vom Putzen Pause (und die Pause war recht lang).

All das Kehren, Wischen, Bücken war beschwerlich und auch fad.
Gut, dass sie beim Töpferücken allerlei gefunden hat:
Hier! - ein Pulver, fein und grau! Nicht beschriftet ist das Glas.
Daher weiß man nicht genau: wofür eignet sich denn das?

Dort - ein Bündel alte Gräser! Trocken, knisternd und ganz fahl.
Reingestopft in leere Gläser, dann vergessen im Regal.
Weiters, an ganz andrer Stelle, halb verborgen hinter Ruß,
zeigt sich abgewischt die helle Schale einer braunen Nuss.

In einer verbeulten Dose, winzig klein und ganz verhutzelt,
ähnelt Dornen einer Rose, was zu lang am Herd gebrutzelt.
Und zu guter letzt, - herrjeh! - kehrt sie unterm Schrank hervor
von 'nem Frosch den großen Zeh und ein Fledermäuschenohr.

All die so gefundnen Schätze hat zur Seite sie gelegt.
Sauber sind nun jene Plätze, wo zuvor sich Lurch geregt.
Nun als Nächstes wäre dran: Bettwäsche und Schürzen Bügeln.
Rosalind macht sich daran, ihre Arbeitswut zu zügeln.

Viel viel lieber will sie forschen, ob mit den gefundnen Sachen
in der Eiche, der ganz morschen, sie ein Zauberwerk könnt machen.
Bügeln wird also verschoben, Rosalind zischt in die Küche.
Zauberhirngespinstverwoben spinnt sie neue Hexensprüche.

Das, was noch nicht klein genug, wird im Mörser fein zermahlen.
In der Luft hängt Zauberspuk, leises Murmeln vieler Zahlen.
Ach, hätt unsre Rosalind nur geahnt, was sie nicht konnte,
nämlich dass nicht Dornen sind, was so scheint als dörr-gesonnte!

Nein! Was sie hier ahnungslos mitsamt großem Zeh und Nuss
reibt mit jedem Mörserstoß: Krallen sind's vom Kröchzelfuß!
Dabei weiß doch jedes Kind, das schon einen Kröchzel traf,
wie gefährlich diese sind! Rosalind, du dummes Schaf!

Kröchzelkrallen, die erhitzt, knistern, knallen und verpuffen!
Rosalind hat das verschwitzt. Könnten wir ihr's bloß zurufen!
Doch wir wissen: keine Chance! Rosalind macht munter weiter.
Konzentriert, fast wie in Trance, steigt sie nun auf ihre Leiter,

um vom obersten Regal jenen Glaskolben zu holen
und auch jene schön spiral-förmig schlingenden Phiolen,
welche man auf ein Gestell über eine Flamme setzt.
Feuerstein geholt noch schnell! Rosalind will's wissen jetzt!

Du und ich, wir sind gescheiter, halten Ohrn und Augen zu.
Eifrig macht die Hexe weiter, fügt der Mischung Wasser zu.
Dann wird, ritsch-ratsch!, Stein gewetzt, Funken fliegen in das Reisig.
Wartend, was geschehn mag jetzt, zählt sie langsam „zwanzig, dreißig...“

RUMMS! KRACH! KLIRR! erfülln die Küche. Irgendwo macht etwas ZISCH!
Schlimmste Rauchrußbrandgerüche steigen auf vom Arbeitstisch.
Alles pofelt, wölkt und pfaucht! Autsch! Da ist der Kopf gestoßen!
Bis das Feuer ausgeraucht, sieht man mit dem Aug, dem bloßen

keinen Millimeter weit. Viel zu dick sind Qualm und Ruß.
Während qualvoll banger Zeit stößt sie sich auch noch den Fuß.
Erst als sich der Staub gelegt und die letzten Schwaden fort,
ist, wo eben noch gefegt, sauber auch kein einzger Ort!

Schwarz sind Wände, Tisch und Decke, und auch Rosalinds Gesicht.
Das ansonsten fröhlich kecke Lächeln sieht man darin nicht.
Ach, am liebsten würd sie heulen, gar nichts ist hier nicht beschmutzt!
Hämisch huuhen ferne Eulen. Alles gehört neu geputzt!

Erste, dicke Tränen fallen. Rosalind schnieft leis „ach nee!“
Muss gar teuer jetzt bezahlen für ihr Forschungs-ExpLosee.




.hexengedicht/zaubergedicht von: die amelie ´ 09
.bild: detail aus "Il laboratorio dell' Alchimista" von Giovanni Stradano (1523-1605)

Windes Schlaflied


Sei still, mein Kind,
und lausch dem Wind,
der wispert, raunt
und rauscht geschwind
ums Haus, mit Saus
und mit
Geheul und viel Gebraus.

Hör zu, wie's klopft
und regentropft
auf Dach und First
über dem Kopf.
Bett´ gut zur Ruh´
dich hin
und mach die Äuglein zu.

Lass wiegen dich
in festen Schlummer
von Windes Klang,
der jeden Kummer
mit sich nimmt im Nu.

Drum sei nicht bang:
's ist die Natur,
und Teil davon, mein Kind, bist DU.



.schlafgedicht/windgedicht von: die amelie ´ 09
.bild: Gerhard Wilhelm von Reutern, 1843

Der Drachenzahn (ein Pantum)


Der Drachenzahn blinkt hell und magisch
im Maul des Drachen Gwendelur
und viel zu oft endet es tragisch,
folgt man der Drachentatzen Spur.

Im Maul des Drachen Gwendelur
landet so mancher Held als Fressen,
folgt man der Drachentatzen Spur
die dorthin führt, wo er gesessen.

Landet so mancher Held als Fressen,
der folgte Gwendelurens Fährte,
die dorthin führt, wo er gesessen,
im Drachenmagen mitsamt Schwerte.

Der folgte Gwendelurens Fährte,
verschwand für immer und auf ewig
im Drachenmagen mitsamt Schwerte,
floh er zu langsam und behäbig.

Verschwand für immer und auf ewig,
- das Schicksal ist wohl zu beklagen!-
floh er zu langsam und behäbig.
Davon künden die Heldensagen.

Das Schicksal ist wohl zu beklagen
und viel zu oft endet es tragisch.
Davon künden die Heldensagen:
der Drachenzahn blinkt hell und magisch.



.drachengedicht/heldengedicht von: die amelie ´09
.illustration: Arthur Rackham (1867 - 1939), für Richard Wagners "Siegfried".



Wie du vielleicht bemerkt hast, ist so ein "Pantum" ein Gedicht, das ganz genauen, ziemlich verzwickten Regeln folgt. Eigentlich kommt das Pantum, oder Pantun, wie man es auch nennen kann, aus Indonesien und ist dort ein Lied. Daher auch die vielen Wiederholungen von einzelnen Zeilen aus der jeweils vorigen Strophe in der jeweils nächsten in einer ganz bestimmten Reihenfolge . Und am Ende muss alles nochmal in der letzten Strophe einen Sinn machen. Ganz schön haarig, find ich.

Dein Bert.

Hexenkessel-Wett-Gebrodel (noch ein Hexe-Rosalind-Gedicht)


Fledermaus und Drachenzahn,
Krötenwisch und Spinnenwahn!
Heute Nacht wird wett-gebraut!
Kessel werden aufgebaut.

Krause Nägel krallen fest,
was sich rasch ergreifen lässt.
Käferbeinchen strampeln leer,
fühlen keinen Boden mehr.

Kräutlein, Schleime, Eberborsten,
Wein dazu, um nicht zu dorsten!
Alles in den Topf gestopft,
grobgemörsert, weichgeklopft.

Umgerührt und brei-gestampft,
Allerlei aus Deckeln dampft.
Blubberstank und Wildgekicher,
Hexenzank, ganz widerlicher!
Jede will die beste sein!
Kocht den Hexenmeister ein.

Dieser jedoch, ungerührt,
hat mit Vorsicht ausprobiert,
ob die Tränke denn auch wirken.
Nebel schleicht sich zwischen Birken
und der Vollmond lichtert blass.

Erster Preis: ein Tintenfass!
(um zu schreiben unsichtbar -
nicht in Blau, das ist wohl klar...)
Und ein Uhu huhuht fern.

Wer gewinnt, wüsstest du gern?

Nun, es wurd gar kompliziert
zur Gewinnerin gekürt
Hexe Rosalind Moosmauer
mit dem Trunk „Giftpilz süßsauer“,
welcher Mägen aller Art
vor verwegnem Regen wahrt.
Was den Meister lang schon quält,
weshalb er – klaro! – diesen wählt.

Und die Nacht neigt sich dem Ende,
Rosalind reibt sich die Hände.
Manche freun sich, andre grummeln.
Langsam sie sich heimwärts tummeln.
Bald schon ist der Spuk vorbei.

Und der Uhu legt kein Ei.










.hexengedicht/zaubertrankgedicht von: die amelie ´ 08
.druckgrafik: John Gilbert (1817-1897)

Märchenschätze




ärchenschätze


Gruselwuselgeister hauchen,
Hexenmeisterpfeifen schmauchen,
Drachenmäuler zahnvoll fauchen,
Zwergenhäuserschlote rauchen.

Schlangenzungen lispeln, zischen,
Krötenbeute will entwischen
und tief unten bei den Fischen
ruht das Nixengold in Nischen.

Wassermänner horten Schätze,
Elfen kennen stille Plätze,
Zauberlehrlingshosenmätze
lernen brav Beschwörungssätze.

Wald und Moor und Moos und Heide
und die alte Trauerweide
bergen Märchenschatzgeschmeide
voller Fantasie und Freude!








.text: die amelie ´ 08
.illustrationen: Einband eines Märchenbuchs mit Illustrationen von Carl Offterdinger und Heinrich Leutemann. Ende des 19 Jh.
.initiale: Andrew Coffee, 1892

Unter der Eiche (ein Hexe-Rosalind-Gedicht)


Tief unter der hohlen Eiche
wohnt die Hexe Rosalind
tagunter im Wurzelreiche,
wo die Hexenhöhlen sind.

Oft schon gingst du dran vorbei,
hast den Eingang dort gesehen.
Fragtest stets dich, wie 's wohl sei
einfach mal hinein zu gehen...

Trittst ein in den morschen Stamm,
steigst die Wendeltreppe runter -
feuchtkalt, modrig, steil und klamm!
Gänsehaut kriecht's Bein hinunter.

Fern kannst du schon Klappern hören,
Blubbern, Knistern, Feuerknacken,
leises Murmelzauberschwören,
„Zack!“ vom Krötenbein-Abhacken.

Feuerschein tanzt über Wände,
Gläser drängeln in Regalen.
Flammenspiel vermag behände
Schattenreigens Bild zu malen.

Zögernd lugst du um die Ecken
bang vor dem, was dort könnt' lauern.
Wo mag nur die Hexe stecken?
Neugier kämpft gegen Erschauern.

„Tee und Kuchen?“ - ach, du Schreck!
rutscht das Herz dir in die Hose.
Keck lugt Rosalind ums Eck,
in der Hand die Zuckerdose.

„Gern..äh...danke...guten Tag“
stotterst du noch ganz erschrocken.
Dass 'ne Hexe Süßes mag,
haut dich nun doch aus den Socken.

Neugierig seht ihr euch an,
stumm erforscht man sich im Blick,
voneinander angetan
gibt es nun auch kein Zurück.

„Rosalind Moosmauer heiß' ich“
bricht die Hexe nun das Schweigen.
„und ich bin schon hundertdreißig!
Soll ich dir ein Kunststück zeigen?“

Emsig huscht sie auch schon los,
lässt dich dort verdattert stehen.
's scheint, als fänd sie ganz famos,
dich als Gast bei ihr zu sehen.

Schwupp – da ist sie schon zurück!
Seligst breites Zahnlochgrinsen.
Präsentiert ihr Zauberstück,
doch das geht glatt in die Binsen!

„Mist! Da muss ich wohl noch üben!“
Rosalind muss selber lachen.
„Dreimal Dreck und rote Rüben!
Huch, ich wollt ja Tee noch machen...“

Es ist nicht zu übersehen,
dass sie schrecklich schusslig ist.
Ach, ihr werdet euch verstehen,
weil du selbst genauso bist.

Doch der sicherste Beweis,
dass ihr füreinand gemacht,
ist, dass ihr beide habt leis
euch mit Zahnloch angelacht!

So viel gibt es zu entdecken,
voneinander zu erfahren!
Freundschaft, süßer als Zimtschnecken,
wert, sie ewig zu bewahren!

So hat sich dein Mut gelohnt,
Neuland tapfer zu erforschen:
eine neue Freundin wohnt
in der Eiche, der ganz morschen.



.hexengedicht/freundschaftsgedicht von: die amelie ´ 08
.bild: 'The Old Selly-Oak Tree' by W. Stone (dated 1897)

Zwei Könige


Einst in einer Sternennacht,
tief in einem Märchenwald,
trafen sich in Prunk und Pracht
König Knuth und Theobald.

Beide suchten nach dem Stein,
welcher Weisheit soll verleihen.
's hieß, er würd zu finden sein
"dort, wo man sich kann verzeihen".

Lange hielt man für Legende,
was man von dem Ort erzählt.
Kunde war's, dass man ihn fände
nicht in der bekannten Welt.

Winzig zwar, doch in sich ganz,
wär zu finden er allein
wo nicht zählten Ruhm und Glanz,
sondern Herzen, gut und rein.

Beide Herrscher suchten lange,
sandten viele Ritter aus.
Wartend, grübelnd und auch bange
thronten sie allein zuhaus.

Was die Könige nicht wussten,
weshalb keiner ihn entdeckte,
dass sie selbst erst finden mussten,
was ganz tief in ihnen steckte.

Denn – das solltest du noch wissen -
beide war`n einander Freund,
bis der Neid sie einst zerrissen
mitsamt dem, was sie vereint.

Es gab Streit, manch böses Wort,
nur noch Zank und kein Verstehen.
Ewigwährend, immerfort,
wollten sich nie wiedersehen.

Keiner konnte es bekennen,
als den andern er schon misste,
längst nicht mehr den Grund benennen,
der die Freundschaft einst vermieste.

Ritter kehrten heim verzagt,
konnten Misserfolg nur melden,
hatten alle viel gewagt,
keiner wurd zu einem Helden.

Jahre zogen so ins Land,
die zwei Könige ergrauten.
Immer noch lag unerkannt
jenes Land, das sie nicht schauten.

Leer war´n beider Königreiche,
einsam, kalt, trotz aller Pracht.
Dass die Hand man sich noch reiche,
dieser Wunsch war leis erwacht

nun in Knuth und Theobald.
Und sie trafen sich zur Nacht
mitten in dem finstren Wald,
sanft erhellt von Sternenpracht.

„Liebster Freund“ so sprachen beide
just im selben Augenblick
„dich zu sehn ist große Freude!
Komm, wir blicken nicht zurück!

Lass den Streit uns nun begraben,
welcher uns so lang entzweit.
Will deine Vergebung haben,
bin zur Buße gern bereit!“

Freunde finden sich im Blick.
doch als sie die Hände reichen,
funkelts hell wie Zauberstück
und es rauscht im Rund der Eichen.

Dort wo ihre Fingerspitzen
zur Versöhnung sich begegnen,
scheints wie Zauberkerzenspritzen
helles Sternenlicht zu regnen.

Und sie seh´n mit Staunen zu,
wie in ihrer beider Hände
wächst und klarer wird im Nu
Zauberminiaturgelände.

Dort, in winzig tiefer Schlucht
ruht ein Stein, umringt von Bäumen.
Jener, den sie so gesucht!
Beide bangen, dass sie träumen

bloß, was sie hier vor sich sehn.
Was sie glaubten nie zu finden,
konnte doch nur dort entstehn,
wo sich Freunde neu verbinden.


.märchengedicht/freundschaftsgedicht von: die amelie`08
.illustration: Mikalojus Ciurlionis (1904-1905)

Unter der Kastanie









Einst in einem Märchenwald
stand ganz knorrig, groß und mächtig
ein Kastanienbaum gar alt,
seine Krone weit und prächtig.

Vieles schon hat er gesehen
und so manches auch erlebt.
Musst schon hundert Jahr dort stehen.
Hat kein einz'ges Mal gebebt.

Unter seiner breiten Krone
schützend grünem Blätterdach
schirmt vor Regen er und Sonne.
Nah tönt rauschend kühl ein Bach.

Dieses war der liebste Ort
der Prinzessin Ann-Kathrein.
Oft lief aus dem Schloss sie fort
um ein Weilchen hier zu sein.

Und obwohl sie einst verlor
hier ein Kästchen voller Schätze,
steigt noch immer sie empor
zu dem schönsten aller Plätze.

Denn wenn lang genug sie schwieg
und dem Bächleinglucksen lauschte,
kam es vor, dass Nebel stieg,
welcher sacht und weich sich bauschte.

Heute hält sie plötzlich still,
denn auf einmal kann sie sehen,
wie gehüllt in Nebeltüll
sich hervorwagen die Feen.

Langsam erst und noch verzagt,
doch als klar, dass nichts gefährlich,
bald von Übermut geplagt
tanzen, singen sie gar herrlich.

Wunderhübsch, so sieht das aus,
wie in ihren Glitzerkleidern
sie sich drehn in Saus und Braus.
„Wer mag solche Roben schneidern?“

frägt sich Ann-Kathrein und schweigt,
hält ganz still um nicht zu stören.
Ihren Kopf sacht schief geneigt
um die Melodie zu hören,

die zum Plätschergluckerklang
fein in Bächleins Lied verwoben
nun ertönt wie Vogelsang.
Da! Ein „Knack!“ - schon sind zerstoben

alle tief ins Unterholz,
die doch eben noch getanzt
und gesungen voller Stolz.
Leer liegt nun die Lichtung ganz.

Ann-Kathrein reibt sich die Augen.
Viel zu rasch ist das geschehn.
Ist nicht sicher, ob sie glauben
kann, was sie grad noch gesehn.

Sehnt zurück so sehr den Reigen
all der zarten Elfenwesen.
Tränchen in die Augen steigen,
weil es gar so schön gewesen.

Doch da tritt in dem Moment
aus dem Unterholz ein Fuchs.
Humpelt, wie sie gleich erkennt,
hat wohl Schmerzen vorn am Fuß.

Direkt kommt er auf sie zu,
Ann-Kathrein wagt kaum zu atmen,
mustert sie in aller Ruh,
scheint auf Reaktion zu warten.

„Du warst das im Unterholz,
der die Feen hat verscheucht!“
spricht sie voller Mut und Stolz
„und hast Schmerzen, wie mich deucht.“

Langsam, um ihn nicht zu schrecken,
hebt den Finger sie und zeigt
auf die Pfote, in der stecken
Dornen, wohl vom Rosenzweig.

„Ach, du armer, lass mich helfen!“
bittet sie ganz leis und sacht.
Längst vergessen sind die Elfen.
Kurz darauf ist es vollbracht:

dicke Stacheln, gleich drei Stück!,
hat behutsam sie gezogen
zu des Fuchses großem Glück,
welcher ihr nun sehr gewogen.

„Holde Maid, ich danke dir!“
wispert rau und leis der Fuchs.
„Sei so lieb und warte hier“
spricht er und entschwindet flugs.

Ann-Kathrein kann's gar nicht fassen,
was ihr hier grad widerfährt.
Will sich überraschen lassen,
wartet nun, wie sich's gehört.

Bald schon ist der Fuchs zurück,
zerrt ein Säcklein hinterher.
Legt es nur ein kleines Stück
weg von ihr hin: „bitte sehr!“

Fragend sieht den Fuchs sie an,
dieser stupst sie sanft und nickt.
Als der erste Blick getan
lachen beide ganz entzückt.

Eine winzig kleine Kiste
voller Schätze und Geschmeide.
Jene, die sie so vermisste!
Reich beschenkt fühl'n sich nun beide.

Nicht nur, weil der Schmerz vorbei
und zurück, was einst verlor'n.
Sondern weil soeben zwei
Freundschaft haben sich geschwor'n.



.prinzessinnengedicht/fuchsgedicht/tiergedicht/freundschaftsgedicht von: die amelie ´ 08
.bild: "Great chestnut of Mount Aetna", 1872-1873, Künstler unbekannt

Attila, der Hunnenkönig



ttila, der Hunnenkönig,
mochte Eis am liebsten cremig.

Uttila, der Hannenkönig,
aß selbst viel, die Hannen wenig.

Hunnila, der Attenkönig,
brüllte oft, war´ s Wetter föhnig.

Attinnen, der Hullaherrscher,
war bloßfäustiger Zermerscher.

Unnila, Hatten-Regent,
führte strengstes Regiment.

Hannilein, den Uttenfürst,
lockten Rentier-Räucherwürst.

Huttila, der Annenprinz,
sagte stets: „ i glaub, ihr spinnts!“

Huntila, dem Atnenkämpfer,
gab das immer einen Dämpfer.

Annilein, die einzge Frau,
ward Attinnens Braut. Schau schau!
Bracht´ ihm so das Huttenreich.
Ach, es läuft doch immer gleich!




.spaßgedicht/wortspielgedicht von: die amelie ´ 09
.initiale: John D. Batten, 1892

Am Rand der Welt



















Unter nächtlich grünem Himmel
reitet mutig und pfeilschnell
hoch zu Ross auf ihrem Schimmel
die Prinzessin Mirabell.

Edelsteinbesetzt die Krone,
dünn ihr Kleid und haucheszart.
Wunderhübsch, ganz zweifelsohne,
hier sich Mut mit Anmut paart.

Wild weh´n Haar und Pferdemähne,
stumm im Sturm auf weiter Flur,
Schaum bedeckt des Schimmels Zähne,
doch sie treibt ihn streng und stur.

Grün bestrahlt von Sterngefunkel
eilt sie hin zum Rand der Welt
- von dem Platz, so wird gemunkelt,
man als Held hinunterfällt.

All die düstren, alten Lieder
künden, dass dort herrscht Gefahr,
und es kehrte keiner wieder,
der zuvor am Ort schon war.

Mirabell kann das nicht schrecken!
Viel zu groß die Wissbegier,
fürchtet sie nicht weite Strecken,
weder Feind, noch Ungetier!

Nichts und niemand wird sie hindern
dort am Rand sich vorzubeugen,
ihrer Neugier Drang zu lindern,
um sich selbst zu überzeugen,

ob es wahr, was man erzählt:
dass hinter dem Horizont
nur die Sonne tiefer fällt
und mit Bruder Mond dort wohnt.



.prinzessinnengedicht/mutgedicht von: die amelie ´ 08
.bild: Riddaren rider, John Bauer 1914
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